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Mausarm-Syndrom

Dauerhafte Schmerzen im Arm sind ein Zeichen für die chronische Erkrankung der Sehnen. Wie können Sie dem entgegenwirken?

Körperliche Fehlbelastung im Sitzen

Die Ursache für Schmerzen im Arm

Es zieht - von den Fingern, den Unterarm entlang bis zum Ellenbogen. Jede Bewegung ist unangenehm und schmerzhaft. Ganz gleich, ob es sich dabei um das Tragen einer vollen Einkaufstüte handelt oder um das bloße Klicken der Maus-Tasten. Viele Menschen leiden an dem sogenannten Mausarm-Syndrom, auch RSI-Syndrom genannt. RSI steht dabei für Repetetive Strain Injury (eine Verletzung durch wiederholte Beanspruchung bzw. Belastung).

Früher wurden die Symptome auch als Sekretärinnen-Krankheit bezeichnet. Durch eine immer weiter zunehmende Arbeit am Computer und die damit verbundene Verwendung der Computer-Maus sind viele Berufsgruppen betroffen. Ursächlich für die Symptome sind dabei stereotype, sich häufig wiederholende Handbewegungen oder Tätigkeiten, die immer wieder dieselben Muskelgruppen und Sehnen beanspruchen.

Welche Bewegungen sind gefährlich?

Dabei ist der Begriff Mausarm irreführend, denn auch andere Bewegungen können zu einer übermäßigen Beanspruchung führen, wenn sie über einen längeren Zeitraum wiederholt monoton ausgeführt werden. Beispielsweise hat man diese Symptomatik auch oftmals mit einem „Tennis-Arm“ betitelt. Die unspezifischen Schmerzen müssen sich außerdem nicht nur auf die Hand oder den Arm beschränken, sondern können darüber hinaus auch im Nackenbereich oder der Schulter auftreten.

Achtung: Nicht nur die Gestaltung des Arbeitsplatzes, die Art der Tätigkeit oder eine Überlastung der Sehnen können Auslöser für das RSI-Syndrom sein. Auch psychische und soziale Faktoren können maßgebliche Auswirkungen auf die beschriebenen Beschwerden haben und als Auslöser fungieren. Daher sollte eine Ursache sowie die Ursachenforschung immer ganzheitlich betrachtet werden.

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Schwedische Forscher fanden in einer elektromyografischen Messung heraus, dass die Muskulatur des Unterarms eine pausenlose elektrische Aktivierung während der Arbeit mit der Maus zeigt. Nicht dauerhaft beansprucht aber dennoch beteiligt sind hingegen die Rücken- und Schultermuskulatur. Diese beschriebene physiologische Überaktivierung der Unterarmmuskulatur kann zu einer biochemischen Dauererschöpfung der Sehnen und Muskeln führen, die zur Entstehung von RSI beiträgt. Die genaue Ursache wird in der medizinischen Forschung noch kontrovers diskutiert.

Wie erkenne ich, ob ich am RSI-Syndrom leide?

Meist beginnt es ganz harmlos mit einem Kribbeln in der Hand oder dem Arm, sowie einem Ziehen auf der Handrückseite (häufig zwischen Zeige- und Mittelfinger). Im schlimmsten Fall können Sensibilitätsstörungen und Taubheitsgefühle auftreten. Die Hand ist kraftlos. Zugreifen und Festhalten gelingt nur bedingt oder schmerzt bereits. Neben den Schmerzen in den Fingern, dem Ellbogen und der Schulter können die Gelenke auch von Schwellungen betroffen sein. Diese Beschwerden haben generell jedoch nichts mit Fingerarthrose oder Gelenkerkrankungen zu tun.

Im Anfangsstadium verschwinden die Schmerzen häufig wieder über Nacht oder treten nur bei einzelnen Bewegungen auf. Werden die ersten Anzeichen übersehen und dadurch über Tage und Wochen keine Entlastung geschaffen, könne diese chronisch werden.

Prävention und erste Hilfe

Wer sich früh Hilfe sucht, kann das Schlimmste verhindern

Daher gilt: Handeln Sie schnell. Manchmal hilft es bereits, eine andere Haltung einzunehmen, ein Mauspad mit Handballenkissen zu verwenden oder von der Maus auf ein Trackpad zu wechseln. Noch viel besser ist der langfristige Einsatz einer vertikalen Maus, um die überlastete, verspannte Muskulatur wieder zu entlasten. Wichtig ist dabei, dass die stereotype Abfolge der Tätigkeiten durchbrochen und verändert wird. Auch wenn Sie die Maus gerade nicht aktiv nutzen, sollten Sie die Hand in der Zwischenzeit nicht dort liegen lassen, denn die Positionierung der Finger auf den Tasten ist bereits das Problem.

Machen Sie Pausen, um die angespannte Muskulatur zu entlasten. Lassen Sie die Arme hängen, strecken Sie die Arme nach oben, richten Sie sich auf. Versuchen Sie zwischendurch immer mal wieder eine andere Tätigkeit auszuführen und die monotone Abfolge der Bewegungen zu durchbrechen.

Gestalten Sie Ihren Arbeitsplatz ergonomisch

Das RSI-Syndrom kann auch durch eine schlechte Sitzeinstellung hervorgerufen bzw. verstärkt werden. Um also bestehenden Symptomen wirksam zu begegnen oder präventiv vorzubeugen, sollten Sie darauf achten, dass Ihr Arbeitsplatz ergonomisch richtig eingestellt ist.

Empfehlenswert ist beispielsweise ein dreh- und höhenverstellbarer Bürostuhl mit Armlehnen. Auch ergonomische Tastaturen (V-Form) und gegebenenfalls eine Handgelenkauflage tragen zu einer unverkrampften, natürlichen Handhaltung bei.

Links zum Thema

Wie ein ergonomisch optimal eingerichteter Arbeitsplatz gestaltet sein sollte, können Sie in unserem Artikel zum Thema „Ergonomischer Arbeitsplatz“ nachlesen.

Therapie und Behandlung

Damit das RSI-Syndrom erfolgreich behandelt werden kann, muss erst einmal festgestellt werden, wo der Schmerz entsteht. In der Schulmedizin werden hierüber zwei Annahmen vertreten:
 

  • Einerseits geht man davon aus, dass eine Entzündung der Sehnen (Tendinitis) für die Schmerzen ursächlich ist.
  • Neuere Forschungen haben gezeigt, dass auch eine Degeneration des Sehnengewebes zu den Schmerzen führen kann. Die Sehne wird durch strukturelle Veränderung schwächer und weniger belastbar. Der medizinische Begriff hierfür lautet Tendopathie. Die ständige übermäßige Beanspruchung schädigt das Kollagen in den Sehnen. Der Körper schafft es durch die anhaltende Belastung nicht, die Schäden nachhaltig zu beseitigen.

Grundsätzlich lassen sich die Schmerzen und Beschwerden häufig auf physiologische Prozesse zurückführen, deren Ursprung primär in einer veränderten Muskulatur liegt – gemeint sind damit Verspannungen der betroffenen Muskulatur. Die Gründe für schmerzhafte Prozessstörungen in den Muskeln, Sehnen, Gelenkkapseln sind vielfältig, jedoch meist zurückzuführen auf:

  • eine Überlastung
  • leichte, monotone, langandauernde Tätigkeiten
  • eine starke Beteiligung der Feinmotorik (z.B. Computerarbeiten)
  • aber auch lange Ruhigstellungen usw.

Hilfsmittel können die Symptome beheben

Bei beiden Formen steht bei der Behandlung die Schonung bzw. die Vermeidung der Über- bzw. Fehlbelastung im Vordergrund. Neben der strikten Verordnung, den betroffenen Arm ruhig zu halten und die bisherige Tätigkeit nicht mehr auszuführen, kann auch eine Handgelenkbandage oder eine sogenannte Epicondylitis-Spange dabei helfen, die übermäßig beanspruchte Sehne zu entlasten.
 
Die Epicondylitis-Spange umfasst den Unterarmmuskel knapp unterhalb des Ellenbogens. Durch individuell einstellbaren Druck entlastet die Spange die Muskelansätze.
 
Die Handgelenkbandage verfügt meist über eine feste Schiene, die das Handgelenk stabilisiert und ein Abknicken verhindert. Die Bandage kann dabei entlastend, stützend oder stabilisierend wirken.

Medimenkatöse Behandlung und alternative Möglichkeiten

Ist eine Entzündung ausschlaggebend, wird Ihnen der behandelnde Arzt sehr wahrscheinlich ein Schmerzmittel und einen Entzündungshemmer verschreiben. Oft werden die Wirkstoffe in einem Präparat kombiniert. Manchmal ist es auch sinnvoll ein schmerz- und entzündungshemmendes Präparat direkt lokal in die betroffene Stelle zu injizieren.

Meistens wird auch Kälte als schmerzlindernd bei Entzündungen empfunden. Legen Sie auf den schmerzempfindlichen Bereich ein Cold-Pack, jedoch immer nur über einen kurzen Zeitraum. Das Cold-Pack sollte nicht gefroren sein, da es sonst zu Irritationen der Haut kommen kann. Umwickeln sie das Cold-Pack ggf. mit einem Küchenhandtuch. Bei reinen Verspannungen, ohne dass eine Entzündung besteht, können Sie auch Wärme einsetzen, die die Durchblutung fördert und die Verspannungen somit lindert. Sollten erste Maßnahmen nicht greifen, kann auch eine manuelle bzw. Physiotherapie angedacht werden.

Durch Dehnen und Massieren der Unterarm- und Nackenmuskulatur sollen Verspannungen gelöst und die überbeanspruchte Muskulatur gelockert werden. Jedoch können Sie den Heilungsprozess auch selbstständig begünstigen, je nach Diagnose Ihres Arztes. Bei einer Verspannungsproblematik (keine Entzündung) gilt:

  • Kinesiotape
  • Wärme
  • Massieren
  • Faszientraining
  • Bewegung
  • Dehnen

Auch Akupunktur oder eine Stoßwellentherapie kann helfen. Die Behandlungskosten hierfür werden jedoch entweder gar nicht oder nur teilweise übernommen. Bitte fragen Sie bei Ihrer Krankenversicherung nach.

Ursachen erkennen und beseitigen

Wichtig ist zunächst, dass Sie die Ursachen erkennen. Es hilft langfristig nicht, nur die Symptome zu behandeln. Vielmehr muss der Auslöser der RSI ermittelt werden. Werden die Schmerzen durch eine Tätigkeit ausgelöst, die Sie erst seit Kurzem, dafür aber sehr intensiv und wiederholt ausüben, dann können Sie dem einfach entgegenwirken, indem Sie die Tätigkeit einstellen oder eine mehrtägige Ruhepause einlegen. Probieren Sie immer wieder andere Bewegungsabläufe aus.

Kommt es jedoch bereits beim Bedienen der Maus oder beim Schreiben auf der Tastatur zu Schmerzen, müssen Sie sich an die Ursache herantasten. Versuchen Sie das Problem zu lokalisieren. Tauschen Sie Ihre Maus, verwenden Sie eine andere Tastatur, überprüfen Sie, ob Ihr Stuhl und Schreibtisch entsprechend Ihrer Körpergröße richtig eingestellt sind – ein ergonomisch korrekt eingerichteter Arbeitsplatz ist das A und O für die Gesunderhaltung Ihres Körpers.

Worauf ist die Fehlhaltung zurückzuführen?

Die Ursache lässt sich nicht immer sofort erkennen und beheben. Um die Symptome abklingen zu lassen, ist es erforderlich, die Ursache zu finden. Ist die Ursache nicht gefunden, werden auch die Symptome vermutlich nach einer Behandlung oder Gegenmaßnahmen wieder auftreten.

Häufig geht das RSI mit einer Verspannung im Nacken und der oberen Rückenpartie einher, was letztlich auch zu Problemen im Arm führen kann. Dies ist jedoch nur eine Ursache und sollte in jedem Fall durch einen Arzt abgeklärt werden, um beispielsweise auch mögliche Bandscheibenvorfälle ausschließen zu können.

Die Ursachen bei Verspannungen, die eine RSI verursachen, können vielfältig sein:

  • Stress über einen langen Zeitraum
  • Fehlerhafte Körperhaltung
  • Über- oder Unterbeanspruchung

Entgegenwirken können Sie der RSI zunächst mit Dehnübung und Mobilisation der verspannten Schulter-, Rücken- und Nackenpartie, Massagen bzw. Physiotherapie, die nach einer Untersuchung beim Hausarzt oder Orthopäden verschrieben werden kann. Aber auch Entspannung und Ruhe, nach einer langen Stressphase, kann bereits Wunder wirken.

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