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Outdoor-Workout

Vom Fitnessstudio in die Natur!
Welche Vielfalt uns die Natur für unsere sportlichen Aktivitäten bietet und warum Bewegung an der frischen Luft so populär ist.

Back to the roots

Neuer Trend führt zurück zur Natur

Für viele Freizeitsportler galt bislang: Joggen gehört nach draußen, Krafttraining macht man im Fitnessstudio. Dass diese starre räumliche Trennung aber alles andere als natürlich ist, ist eigentlich schon ein alter Hut. Bereits in den 70er Jahren initiierte der Deutsche Sportbund die „Trimm-Dich-Bewegung“, welche mehr Menschen zum Training an der frischen Luft motivieren sollte. Eine seit kurzem immer populärer werdende Entwicklung greift diesen in der Zwischenzeit in Vergessenheit geratenen Ansatz wieder auf. Unter dem Schlagwort Outdoor Fitness finden sich zahlreiche Trainingsformen, die das Ziel haben, Bewegung aus den Fitnessstudios an die frische Luft zu bringen.

Ab ins Grüne!

Zufluchtsort: Natur

Das Erstarken der Fitnessbewegung im Freien fügt sich in einen größeren beobachtbaren Kontext, den Prozess des sogenannten urbanen Eskapismus. In Zeiten der zunehmenden Technisierung und Digitalisierung des Alltags und einer empfundenen Schnelllebigkeit suchen immer mehr Menschen Zuflucht in Naturerfahrungen und Freizeit-Abenteuern. Dies lässt sich zum Beispiel in der zunehmenden Funktionalität von Mode beobachten, es wirkt sich jedoch auch auf die Art und Weise, wie Sport und Fitness verstanden werden, aus.

Doch auch ohne diesen größeren Zusammenhang erklärt sich das Erfolgsrezept des Training an der frischen Luft schnell, denn die Vorteile liegen auf der Hand. So ist im Freien eine bessere Sauerstoffzufuhr als in der stickigen Halle gewährleistet und man bewegt sich im Sonnenlicht, unerlässlich für die Vitamin D3 -Synthese und als „Gute-Laune-Lieferant“.

Zudem bietet die Umgebung zahlreiche Variationsmöglichkeiten für den Trainingsablauf, jede Einheit kann neu nach dem Umfeld ausgerichtet und gestaltet werden, so wird zugleich die Kreativität geweckt. Wenn man sich bei jeder Übung neu auf die Begebenheiten der Natur einstellen muss, steigert dies zudem die Anpassungsfähigkeit.

Der Deutsche Olympische Sportbund beschreibt sein Bewegungskonzept für den öffentlichen Raum, bestehend aus Fitnessparcours, mit 4 F: fit, free, fun, function. Eben diese Schlagwörter, Fitness, im Freien und kostenlos, Spaß und alltagsnahe funktionelle Übungen, lassen sich auf beinahe sämtliche Spielarten und Formen der Outdoor-Fitness-Bewegung übertragen.

Outdoor Gym und "Bootcamps"​

Zahlreiche Fitnessstudios und Personal Trainer folgen dem Trend „nach Draußen“. Sie bieten neben ihren normalen Kursen und Tarifen auch Pakete für sogenannte Outdoor Gym-Kurse oder „Bootcamps“ an. Dieser dem Militärjargon entlehnte Begriff steht in diesem Fall für Programme, die man für einen bestimmten Zeitraum buchen kann und die neben intensivem Training an der frischen Luft oft auch auf eine Umstellung der Ernährung und anderen Aspekten des „Lifestyles“ abzielen.

Egal ob Outdoor Gym oder Bootcamp, das Prinzip ist letztlich das gleiche: kleine Gruppen werden an der frischen Luft von ausgebildeten Trainern in einer dem Zirkeltraining ähnlichen Form angeleitet und betreut. Mit einbezogen in die Workouts werden zum Teil mitgebrachte kleine Geräte wie Bälle oder Matten, aber vor allem auch alles, was die Umgebung bietet: egal ob Treppen oder Bäume, aus beinahe jedem Objekt lässt sich ein Gerät für eine Übung machen.

Ansonsten setzen diese Kurse auch stark auf Übungen, die lediglich das eigene Körpergewicht zur Stärkung der Muskulatur nutzen.
Aber auch Klassiker wie Sit-Ups oder Liegestütz verlieren an der frischen Luft gleich ein wenig von ihrer Eintönigkeit. Vorteil solcher Kurse ist die engmaschige Betreuung durch geschultes Personal.

Jeder kann individuell innerhalb seines persönlichen Leistungsspektrums trainieren und trainiert trotzdem nicht alleine. Abgehalten werden diese Kurse keinesfalls nur bei gutem Wetter. Schlechter Witterung begegnet man am besten mit dem Wunsch nach Abhärtung – und natürlich passender Funktionskleidung

Ideen für Individualisten

Ganz klar im Vorteil

Gerade für Menschen, die weniger Wert auf Training als Gruppenerlebnis legen, ist Outdoor Fitness vor allem aus finanzieller Sicht nahezu unschlagbar. In vielen Städten warten Trimm-Dich-Strecken oder neu gebaute Bewegungsparcours darauf, genutzt zu werden.

Die Vorteile dieser Einrichtungen liegen auf der Hand: sie sind kostenfrei nutzbar, man ist zeitlich komplett flexibel und die Übungen sind in der Regel leicht verständlich und abwechslungsreich zugleich. Im Falle einiger Trimm-Dich-Strecken sind die einzelnen Stationen Teil einer Laufstrecke und lassen sich somit ideal in ein Lauftraining einbauen.

Auch die Bewegungsparcours sind so aufgebaut, dass sie zahlreiche Variationsmöglichkeiten zulassen und so für jedes Niveau und Fitnesslevel geeignete Übungen durchführbar sind.  

Die Geräte in den neu entstandenen Fitnessparcours wurden nach aktuellen sportmedizinischen Gesichtspunkten konstruiert und ausgewählt, um gerade auch älteren Menschen ein angepasstes Training in der Öffentlichkeit zu ermöglichen.

Sie ähneln Geräten, wie man sie aus dem Fitnessstudio kennt, arbeiten aber in der Regel nicht mit verstellbaren Gewichten, sondern mit ihrem eigenen und dem Gewicht des Nutzers. Neben Kraft schulen diese funktionellen alltagsnahen Übungen auch Koordination, Ausdauer und dienen insgesamt der Mobilisation.

Unser Tipp:

Wem selbst diese Trainingsparcours noch zu „eng“ sind, der sollte sich auf eine Entdeckungstour in seiner Stadt begeben. Einfache Dinge wie Treppen können zum Training genutzt werden, Sitzbänke als Gelegenheit für Liegestütz, Mauern zum Klettern oder Vorsprünge zum Balancieren. Generell gilt: erlaubt ist, was Spaß macht. Spieltrieb und Bewegungsdrang können im Freien wieder zum Tragen kommen.

Spielend fit

Eine Spielform des Trainings an der frischen Luft hat diese Herangehensweise perfektioniert: Beim sogenannten Parcours wird über Hecken gesprungen, gerannt, auf Vorsprünge geklettert, werden Streben für Klimmzüge genutzt. Die mitunter wagemutigen Aktionen erfordern eine gute Grundkonstitution und Körperbeherrschung und sind auf Grund des Verletzungsrisikos sicherlich nichts für Jedermann.

Aber auch weniger gefährlich lässt sich im Freien neben der Kraft und Kondition auch die Anpassungsfähigkeit an die eigene Umgebung, Koordination und Gleichgewichtssinn trainieren.

Eine Bewegung beginnt sich auch in Deutschland inzwischen stärker zu etablieren: Calisthenics, oder auch Street-Workout genannt. Bei dieser Sportart handelt es sich um das Training mittels Übungen, die das eigene Körpergewicht nutzen und um Elemente aus Breakdance, Parcours und Turnen ergänzt werden. Calisthenics ist keineswegs eine neue Erfindung, es war vielmehr in Vergessenheit geraten und wurde um die Jahrtausendwende in New York wieder populär. Viele der Übungen werden an reckähnlichen Stangen in sogenannten Fitness-Parks durchgeführt und umfassen neben Klassikern wie Klimmzügen auch artistisch wirkende Haltefiguren.

Links zum Thema

Hier finden Sie ausführliche Informationen zum Thema Calisthenics

Zahlreiche Informationen rund um Standorte, das richtige Training und der Geschichte des Trimm-Dich-Pfade

Sportarten neu interpretiert

Mit der erstarkenden Popularität von Outdoor Fitness rückten auch bislang eher weniger bekannte Sportarten in den Fokus der Aufmerksamkeit. Begriffe wie Slackline oder Crossskating sind längst nicht mehr nur Randgruppen bekannt.

Slackline - Einmal Seiltänzer sein

Sich einmal wie ein Seiltänzer fühlen? Mit Slackline kein Problem! Bei dieser Trendsportart wird ein etwa fünf Zentimeter breites Band zwischen zwei Punkten, zum Beispiel Bäumen, gespannt. Da das Band nicht starr ist, sondern leicht durchhängt, ist das Balancieren eine besondere Herausforderung. Das ständige Ausgleichen der Eigenbewegung des Bandes fordert zahlreiche Muskelgruppen auf einmal und eine gute Konzentration.

Während Anfänger froh sind, wenn sie auf dem etwa auf Kniehöhe gespannte Band ihre ersten Schritte geschafft haben, lässt sich das Ganze beliebig in der Schwierigkeit steigern. Drehungen, Sprünge und andere Figuren können auf dem Band erlernt und Faktoren wie Höhe, Spannung und Länge des Bandes variiert werden.

Profis aus dem Bereich des Wintersports haben dieses ursprünglich aus der Kletterszene stammende Training bereits für sich entdeckt, da es Kraft, Koordination, Konzentration und Gleichgewicht gleichzeitig schult. Viel Ausrüstung braucht man auch aus Freizeitsportler nicht, die nötigen Sets, bestehend aus Band, Baumschutz und meist einer Vorrichtung zum Spannen, kosten um die 50€, balanciert wird in der Regel in der Natur und barfuß.

Cross-Skating - Auf die Rollen, fertig, los!

Auch das Cross-Skating ist, wie so viele andere Formen des Outdoor Trainings, keine neue Erfindung, sondern eher eine neue Interpretation bereits bekannter Sportarten.

Das Cross-Skating ähnelt einer Mischung aus Inlineskating und Skilanglauf. Benötigt werden spezielle Skates, die zwei oder mehr Rollen haben, die größer als die normaler Inlineskates sind. Je nach Modell beinhalten die Skates auch einen Schuh oder bieten eine Vorrichtung, um einen Schuh auf einem Gestell zu befestigen. Größter Unterschied zum normalen Skaten ist der Gebrauch von Stöcken. Ähnlich wie beim klassischen Skilanglauf erfolgt der Vorschub hauptsächlich über die Stöcke. Klarer Vorteil gegenüber Skiern oder Inlineskates: man benötigt keinen Schnee und ist auch auf nicht ganz ebenem Gelände schnell unterwegs.

Hochseilgarten - Hoch hinaus

Wer mal auf eine andere Art und Weise hoch hinaus will, kann das Angebot zahlreicher Hochseilgärten nutzen.

Hierbei handelt es sich um auf einem begrenzten Areal installierte Plattformen an Bäumen. Auf unterschiedlichsten Höhen müssen Stationen erklettert und Hindernisse zwischen den Bäumen überwunden werden. Gesichert ist man hierbei mit professioneller, vor Ort zu leihender Kletterausrüstung inklusive Helm und an einem durchgehenden System aus Stahlseilen und Karabinern. Viele Hochseilgärten bieten Strecken unterschiedlicher Länge, Höhe und Schwierigkeit an und bieten somit spielerische Abenteuer für fast alle Altersgruppen.

Kettlebell - Muskeltraining leicht gemacht

Eine weitere „alte Neuentdeckung“ ist das Training mit Rundhanteln, neudeutsch Kettlebell. Hierbei handelt es sich um kugelförmige Gewichte, die über einen großen Griff verfügen. In verschiedenen Übungen versetzt man diese Gewichte in Bewegung, beispielsweise indem man sie schwingt. Im Gegensatz zum üblichen Hanteltraining werden hierbei nicht nur einzelne Muskelgruppen beansprucht, sondern dynamisch ganze Muskelketten gestärkt. Diese Form des funktionellen Trainings lässt sich problemlos im Freien absolvieren und kann sich vor allem positiv auf Nacken- und Rückenmuskulatur sowie die Stärkung der Rumpfmuskulatur auswirken. Um die Übungen richtig auszuführen und Verletzungen zu vermeiden, sollte das Training unter Aufsicht einer geschulten Person stattfinden.

Unser Fazit:

Alle Formen des Outdoor Trainings haben letztlich ein gemeinsames Ziel: der natürliche Bewegungsdrang und die Freude an Bewegung sollen genutzt und gestärkt werden, um möglichst abwechslungsreich und kurzweilig den ganzen Körper an der frischen Luft zu trainieren. Bei immer mehr Menschen heißt es daher Raus in die Natur statt Rein ins Fitnessstudio.

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