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Nahrungsmittel-
intoleranz

Milch- und Fruchtzucker sowie das in Getreide vorkommende Eiweiß Gluten können Unverträglichkeiten auslösen. Die Folgen: Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Übelkeit oder Durchfall.

Übeltäter Nahrungsmittel

Wenn Lebensmittel Allergien auslösen

Ohne Nahrung, ohne Essen, kann ein Mensch nicht lange überleben. Aber Lebensmittel sind heutzutage weitaus mehr als nur Energielieferanten. Für Viele ist Essen auch eng verknüpft mit Genuss und dem individuellen Lebenswandel. Seit einigen Jahren ist die Auseinandersetzung mit der Frage nach der richtigen Ernährung ein sehr präsentes gesellschaftliches Phänomen. Vegan, laktosefrei, oder doch lieber ohne Gluten? Die Fülle an Konzepten und Informationen zum Thema Ernährung zeigt, wie wichtig die Gestaltung ihrer Ernährung für viele Menschen ist. Doch nicht immer ist Essen und Ernährung nur mit Wohlbefinden und Genuss verknüpft.

Essen und Ernährung ist auch nicht nur eine Frage des Lifestyles: Einige Menschen leiden unter Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten. Sie sind darauf angewiesen ihre Ernährung entsprechend umzugestalten. Viele Menschen berichten von Verdauungsproblemen auf Grund von Unverträglichkeiten. In manchen Fällen liegen diese auch tatsächlich vor. Wir informieren Sie im Folgenden über die am häufigsten auftretenden Nahrungsmittelintoleranzen.

Was umfasst der Begriff Nahrungsunverträglichkeiten?

Unter dem Oberbegriff Nahrungsmittelunverträglichkeiten fasst man alle „ungesunden“ Reaktionen des Körpers auf Nahrungsmittel zusammen. Er umfasst unter anderem Lebensmittelallergien, Lebensmittelintoleranzen oder auch Lebensmittelvergiftungen. Die einzelnen Unverträglichkeiten unterscheiden sich in ihren Entstehungsmechanismen, Symptomen und Behandlungsmöglichkeiten. Am häufigsten treten Lebensmittelintoleranzen auf. So zum Beispiel eine Unverträglichkeit von Milch- oder Fruchtzucker (Laktose und Fruktose). Mit welcher Häufigkeit sie tatsächlich auftreten ist schwer zu bestimmen. Viele Menschen geben an, unter einer Lebensmittelintoleranz zu leiden, ohne dass  diese diagnostisch bestätigt wäre.

Eine Lebensmittelintoleranz beruht in einigen Fällen auf einem Mangel von Enzymen, die für den Abbau oder Transport bestimmter Nahrungsmittelbestandteile zuständig sind. Zu diesen sogenannten enzymatischen Intoleranzen gehören die bereits genannten Unverträglichkeiten von Milch- und Fruchtzucker. Durch den Mangel an den für den Abbau einzelner Substanzen notwendigen Enzymen oder Transportmechanismen werden bestimmte Bestandteile der Nahrung in den dafür vorgesehenen Abschnitten des Verdauungstraktes nicht ausreichend abgebaut. Diese gelangen dann in tiefer liegende Darmabschnitte. Dort werden dann die Beschwerden verursacht, zu denen typtische Symptome wie Blähungen, Übelkeit, Durchfall oder auch Verstopfungen zählen.

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Was ist der Unterschied zu einer Nahrungsmittelallergie?
Unter Nahrungsmittelallergien versteht man eine Überempfindlichkeit des Immunsystems bei Kontakt mit bestimmten Nahrungsbestandteilen. Das Immunsystem reagiert übermäßig stark. Besonders oft treten Allergien beispielsweise gegen Nüsse auf. Die auftretenden Symptome sind individuell, beinhalten aber häufig ein Anschwellen der Schleimhäute in Mund, Nase und Rachen oder auch der Zunge. Ebenso können Juckreiz, Ausschlag, Übelkeit oder allergisches Asthma auftreten. Je nach Schwere der Allergie kann diese auch zu einem potentiell lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock (Kreislaufschock) führen. Etwa 1-5% der Erwachsenen leiden an einer Nahrungsmittelallergie.

Die drei häufigsten Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Laktoseintoleranz

Der Begriff Laktose bezeichnet den in Milch und Milchprodukten enthaltenen Milchzucker. Laktoseintoleranz ist die am häufigsten auftretende Nahrungsmittelintoleranz, die auf einem enzymatischen Defekt beruht. In Deutschland sind etwa 15-20% der Erwachsenen betroffen. Normalerweise wird Laktose im Dünndarm gespalten.

Bei einer Intoleranz liegt ein Mangel an dem dafür zuständigen Enzym, der Laktase, vor. Die unvollständig gespaltene Laktose gelangt so in den Dickdarm, wo sie dann von Darmbakterien abgebaut wird. Dies führt unter anderem zur Entstehung von Gasen und Säuren, die sich auf die Darmflora und Darmbewegungen (Peristaltik) auswirken. Die Folgen: Übelkeit, Blähungen, Schmerzen und Durchfälle.

Die Ausprägung der Laktoseintoleranz hängt stark davon ab, wie ausgeprägt der Laktasemangel ist. Treten entsprechende Beschwerden auf, ohne dass sie sich durch andere Erkrankungen erklären ließen, sollten Sie auf eine Laktoseintoleranz untersucht werden. Auch wenn Beschwerden in zeitlicher Korrelation zum Verzehr von Milchprodukten auftreten. Dies kann beispielsweise durch einen einfachen Atemtest (Wasserstoffatemtest) geschehen, bei dem die Konzentration eines bestimmten Stoffes in ihrer Atemluft nach Gabe von Laktose bestimmt wird.

Laktoseintoleranz global betrachtet

Evolutionär betrachtet ist es einer Mutation zu verdanken, dass die meisten Nordeuropäer überhaupt Laktose abbauen können. Denn ursprünglich verfügten nur Säuglinge über diese Fähigkeit, die sie mit dem Ende des Gestillt-Werdens verloren. Es hat sich jedoch in einigen Völkern, vor allem in der nördlichen Hemisphäre, eine Mutation durchgesetzt, die dazu führt, dass auch im Erwachsenenalter weiterhin Laktase gebildet und somit Laktose abgebaut werden kann. Weltweit betrachtet ist also Laktoseintoleranz nicht die Ausnahme, sondern eigentlich die Regel. Liegt eine Laktoseintoleranz vor, so besteht die Behandlung primär darin, die Aufnahme von Milchzucker zu reduzieren.

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Im Schnitt nehmen Erwachsene im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung 20-30g Laktose am Tag zu sich. Eine laktosearme Diät sollte nicht mehr als 8-10g, eine laktosefreie Diät weniger als 1g täglich beinhalten. Ein 200ml Glas Kuhmilch beinhaltet etwa 10g Laktose.

Wurde bei Ihnen eine Laktoseintoleranz diagnostiziert, sollten Sie sich zunächst so laktosefrei wie möglich ernähren. So lässt sich beobachten, ob die Symptome hierdurch weniger werden. Im Anschluss können Betroffene vorsichtig austesten, wo ihre individuelle Toleranzgrenze liegt und wie viel Laktose sie ohne Beschwerden verdauen können. Nicht immer ist es möglich, den Laktosegehalt einzelner Lebensmittel genau zu bestimmen. Manchmal möchte man auch einfach trotz Intoleranz nicht auf ein leckeres Dessert oder ähnliches verzichten. In diesen Fällen kann die Einnahme von Laktase in Tablettenform in begrenztem Maße helfen, die Verdauung zu schonen und Symptome zu verringern.

Welche Irrtümer gibt es?

Die Verbraucherzentrale Hamburg informiert Sie zudem über die 10 häufigsten Irrtümer bei Laktoseintoleranz.

Fruktosemalabsorption ​

Nicht nur der Milchzucker, auch der Fruchtzucker (die sogenannte Fruktose) kann von Manchen nicht richtig verdaut werden. Die häufigste Form einer Fruktoseunverträglichkeit ist die Fruktosemalabsorption. Diese beruht auf einem Defekt eines Transportsystems im Dünndarm. Die Fruktose kann hierdurch nicht ausreichend im Dünndarm aufgenommen werden und gelangt daher in den Dickdarm. Dort wird sie dann durch Bakterien abgebaut. Dies führt wie die Laktoseintoleranz ebenfalls zu Beschwerden wie Blähungen, Durchfall oder Übelkeit.

Weitaus seltener ist die Fruktoseintoleranz, bei der der Abbau von Fruktose unmöglich ist, da ein Leberenzym fehlt. Fruktoseintoleranz verursacht bereits im Kindesalter schwere Verdauungsstörungen und gefährlich niedrige Blutzuckerspiegel.

Fruchtzucker ist vor allem in Obst, Obstsäften, Honig, aber auch einigen Gemüsesorten sowie normalem Haushaltszucker enthalten. Eine Fruktosemalabsorption kann ebenso wie die Laktoseintoleranz mit Hilfe des Wasserstoffatemtests diagnostiziert werden. Die Behandlung besteht im Verzicht auf stark fruktosehaltige Nahrungsmittel. Außerdem sollte auf Nahrungsmittel, die den Zuckeraustauschstoff Sorbit enthalten, verzichtet werden. Denn Sorbit hemmt die Tätigkeit des betroffenen Transportmoleküls zusätzlich. Wie bei der Laktoseintoleranz kann auch bei der Fruktosemalabsorption nach und nach ausgetestet werden, welche Lebensmittel in welcher Menge vertragen werden.

Zöliakie, Weizenallergie und Weizensensitivität

Der Markt für glutenfreie Produkte legte in der letzten Zeit ein enormes Wachstum hin: In Deutschland führt inzwischen fast jeder Supermarkt glutenfreie Lebensmittel. Eine glutenfreie Diät kann in einigen Fällen medizinisch notwendig sein. Anderen falls ist sie eher Ausdruck eines individuellen Ernährungskonzepts und Lifestyles.

Was ist Gluten und wo kommt es vor?

Bei Gluten handelt es sich um ein in einigen Getreidesorten vorkommendes Eiweißgemisch, häufig auch „Klebereiweiß“ genannt. Von den gängigsten Getreidesorten enthalten Dinkel und Weizen besonders viel Gluten.

Hafer, Roggen und Gerste haben einen geringeren Anteil an Gluten. Glutenfrei sind Hirse, Mais und Teff (Zwerghirse), sowie die in den letzten Jahren auch in Deutschland vermehrt populär gewordenen Pseudogetreide (Quinoa, Amarant, Buchweizen).

Welche Formen von Unverträglichkeiten auf Weizen und Gluten gibt es?

Glutenunverträglichkeit (Zöliakie)

Bei der Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) führt Gluten zu einer Autoimmunreaktion, es kommt unter anderem zu einer chronischen Entzündung der Darmschleimhaut. Symptome wie Appetit- oder Gewichtsverlust sowie Durchfall oder Übelkeit sind typisch. Darüber hinaus kann Zöliakie auch andere schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben, so zum Beispiel Gedeihstörungen im Kindesalter oder eine mangelhafte Aufnahme von wichtigen Nährstoffen (Malabsorption). In Deutschland ist etwa ein Prozent der Bevölkerung betroffen. Bislang besteht die einzige Behandlungsmethode in einer lebenslangen glutenfreien Diät.

Weizenallergie

Ein anderes Krankheitsbild ist die Weizenallergie. Bei Betroffenen löst der Kontakt mit Weizen, auch über die Haut oder die Atemwege, eine allergische Reaktion aus. Es ist also nicht primär der Verdauungstrakt betroffen, sondern vielmehr kommt es im Rahmen der allergischen Reaktion auch zu Hautauschlägen oder Atembeschwerden. Es kann zudem bei körperlicher Anstrengung, nach dem Verzehr von weizenhaltigen Nahrungsmitteln, zu einem allergischen Schock kommen.

Weizensensitivität ​

Im Vergleich zur Zöliakie und der Weizenallergie ist die Weizensensitivität (Nicht-Zöliakie-Nicht-Weizenallergie-Weizensensitivität) noch recht unerforscht. Hierbei kommt es zu einer Überempfindlichkeitsreaktion des Verdauungstrakts auf Getreidebestandteile. Es ist bislang nicht abschließend geklärt, ob es alleine das im Getreide enthaltene Gluten ist, das die Beschwerden auslöst.

Denkbar ist auch, dass andere Nahrungsbestandteile eine Rolle spielen. Klassische Beschwerden sind Bauchschmerzen, Blähungen oder Veränderung der Stuhlfrequenz. Hinzu kommen häufig auch Symptome, die nicht die Verdauung betreffen: zum Beispiel Müdigkeit, Ausschläge oder Rötungen, Kopf- oder Gelenkschmerzen. Wie viele Menschen tatsächlich von einer Weizensensitivität betroffen sind, ist kaum festzustellen. Denn meistens erfolgt eine Diagnosestellung in Eigenregie. Zahlreiche Menschen verzichten in Folge auf glutenhaltige Lebensmittel. Eine ärztliche Diagnose erfolgt in der Regel per Ausschlussverfahren.

Auszugehen ist von einer Weizensensitivität, wenn:

  • entsprechende Symptome werden geschildert, die mit dem Verzehr von weizenhaltigen Nahrungsmitteln einhergehen (TIPP: halten Sie dies in einem Ernährungstagebuch systematisch festgehalten)
  • Zöliakie können ausgeschlossen werden, so ist von einer Weizensensitivität auszugehen.

Allerdings ist nicht in allen Fällen eine Abgrenzung gegenüber einem Reizdarmsyndrom möglich. Ähnlich wie bei der Laktoseintoleranz oder Fructosemalabsorption sollte bei Verdacht auf eine Weizensensitivität zunächst auf entsprechende Getreidesorten verzichtet werden.

Bessern sich im Anschluss die Symptome, ist von einer Weizensensitivität auszugehen.

Was tun beim Verdacht auf eine Lebensmittelintoleranz? ​

Wichtig ist zunächst, einen Zusammenhang zwischen Beschwerden und Nahrungsmitteln herzustellen oder auszuschließen. Sie sollten darauf achten, nach welchen Mahlzeiten oder Lebensmitteln welche Symptome auftreten. Fragen Sie sich, ob diese eventuell auch andere Gründe als eine Unverträglichkeit haben könnten. Hierfür eignet sich das Führen eines Ernährungstagebuchs, wie es die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DEG) kostenlos zum Download anbietet. Gegen eine kleine Gebühr stellt die DEG auch Informationsbroschüren zur Ernährungsgestaltung bei Laktoseintoleranz oder Fruktosemalabsorption zur Verfügung. Um die genannten Krankheitsbilder zu diagnostizieren, sollte ein Facharzt (z.B. ein Allergologe) aufgesucht werden. Denn nach wie vor glauben weitaus mehr Menschen, von einer Nahrungsmittelintoleranz betroffen zu sein, als es tatsächlich der Fall ist. Passende Leitlinien zu dieser Thematik finden Sie auch im Online-Portal der wissenschaftlichen Medizin, der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaft). 

Nahrungsmittelalternativen

Welche Alternativen gibt es?

Leiden Sie unter einer Laktose-, Fruktose- oder Glutenintoleranz, dann bedeutet dies nicht gleich Verzicht! Neben lactosefreien Lebensmitteln, wie Joghurt, Milch, Sahne o.ä., gibt es auch pflanzliche Alternativen. Das Angebot ist reichhaltig: Soja-, Mandel-, Hafer-, Dinkelmilch- und Co. sorgen für einen abwechslungsreichen Genuss, auch ohne Kuhmilch. Auch Joghurt kann aus der Sojabohne gewonnen werden, wenn Sie eine Alternative zu laktosefreiem Joghurt suchen. Zudem können Sie ausprobieren, ob Sie beispielsweise Ziegenmilch besser vertragen. Auch glutenfreie Produkte sind heutzutage zahlreich in den meisten Lebensmittelgeschäften oder auch in der Drogerie erhältlich und entsprechend gekennzeichnet. Was fruktosefreie Süßungsmittel angeht kann auf Produkte wie Reis- und Dinkelsirup oder Getreide-, Trauben- und Milchzucker zurückgegriffen werden.

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