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Einsamkeit

Das Thema Einsamkeit wird längst international in Politik und Gesellschaft breit diskutiert. Doch was genau ist Einsamkeit und wie können Sie das Problem erkennen?

Was bedeutet Einsamkeit?

Allein sein oder einsam sein?

Sie gehen spazieren, im Wald. Alles ist ganz ruhig, Sie hören nur das Rauschen des Windes in den Bäumen und das Zwitschern der Vögel. Sie sind allein mit sich und den eigenen Gedanken. Sie genießen das Alleinsein – endlich mal keiner, der von einem etwas will.

Das kennen Sie sicherlich auch. Ab und zu ziehen wir uns zurück, ganz bewusst und gewollt. Viele Menschen brauchen diese Form der Isolation sogar, wie den täglichen Schlaf, um sich wieder zu erden, zur Ruhe zu kommen und der Hektik des Alltags für eine Zeit den Rücken zu kehren. Aber ist das nun Einsamkeit oder nur eine Art des Alleinseins?
 
Einsamkeit unterscheidet sich vom Alleinsein in einem ganz wesentlichen Merkmal: Einsamkeit ist meist ein Zustand, ein Gefühl, dass der Betroffene nicht willentlich herbeigeführt hat. Einsamkeit ist meist ein schleichender Prozess, in den Menschen reinrutschen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Umzug in eine andere Stadt, Alter aber auch Familie, z.B. wenn Angehörige mehrere Jahre ein Familienmitglied zuhause pflegen, können zur Einsamkeit führen. Einsamkeit macht vielfach traurig, hilflos und depressiv.

Das Alleinsein hingegen wird allgemein als ein Zustand verstanden, in den sich derjenige selbst und meist auch nur für einen begrenzten Zeitraum begibt. Es ist ein bewusster Akt und kein ungewollter Lebensumstand.



Frau blickt auf einen See | Pflegewelt der AXA


Noch vor einigen Jahren war Einsamkeit meist mit dem Alter verknüpft. Heute gibt es Studien die belegen, dass bereits junge Menschen von Einsamkeit betroffen sind.

Das liege u.a. an zwei Trends: Der Urbanisierung und der zunehmenden Nutzung von (sozialen) Medien. „Die Digitalisierung bringt Menschen nämlich nicht, wie oft behauptet wird, zusammen, sondern bewirkt eine Zunahme von Unzufriedenheit, Depression und Einsamkeit", so der Ulmer Psychiater Manfred Spitzer in einem Artikel des Tagesspiegels.

Alleinsein ist nicht gleich Einsamkeit

Eine ambivalente Thematik

Einerseits scheinen Menschen Angst davor zu haben, keine emotionale oder körperliche Nähe zu anderen Menschen zu finden. (Anmerkung: Nicht nur Angst: Nähe, Kommunikation und Berührung ist ein Urbedürfnis, ohne das Menschen sterben.)

Das Gefühl sein Leben alleine zu verbringen und zu bestreiten, kann auf Dauer sogar Krankheiten hervorrufen. Andererseits gibt es Menschen, die freiwillig ein Kloster besuchen, um in der Stille zu sich zu finden. Wer bewusst den Zustand der Einsamkeit - z.B. durch Meditation - hervorruft, kann auch daran wachsen.

  

Wie oben bereits angerissen, ist das Alleinsein in Abgrenzung zur Einsamkeit der Zustand eines gewollten Entfernens. Es ist sozusagen eine kontrollierbare Entscheidung, die bewusst getroffen wird.

Das Alleinsein muss nichts Schlechtes bedeuten oder bewirken, solange es sich nicht zum Gefühl der Einsamkeit, also der empfundenen emotionalen Isolation, entwickelt. Hier handelt es sich um einen emotionalen Kontrollverlust, der die Betroffenen in tiefe Traurigkeit wirft. Daraus können im verschlimmerten Zustand sogar Depressionen entstehen.

Wenn Alleinsein zur Einsamkeit wird

Das Gefühl allein zu sein hat jeder Mensch in seinem Leben schon gespürt. Betroffene der Einsamkeit dagegen sehen sich mit ihrem Problem oft schuldig und alleingelassen. Viele versuchen damit zu leben, andere verschweigen das Problem und machen daraus ein Tabu. Es gibt aber auch einen Teil Betroffener, die versuchen daran etwas zu verändern.

Eine Diagnose fällt oftmals schwer, da wenige offen über ihren Alltag sprechen oder auch von ihrem Leiden peinlich berührt sind. Mit Außenstehenden über das Problem zu reden und sich Hilfe zu holen ist zwar der schnellste Weg Einsamkeit zu überwinden, jedoch steht die Befürchtung im Raum, mit der Einsamkeit nicht akzeptiert zu werden. Das verringert hinzu das Selbstwertgefühl einiger Betroffener.

Das Leben mit der Einsamkeit

Ein Thema, das häufig verschwiegen wird

Vielen Betroffenen ist ihre Einsamkeit unangenehm. Sie sprechen nicht gern darüber? Aber warum? Sollte man doch annehmen, dass ein offener Dialog der erste Schritt aus der Isolation ist. Vielleicht, doch einsamen Menschen haftet das Stigma an „seltsam“ oder „anders“ zu sein, denn in Zeiten von Social Media, der Rund-um-Vernetzung und der permanenten Erreichbarkeit, kann Einsamkeit nur bedeuten, dass derjenige keine Familie - oder fast noch schlimmer - keine Freunde hat.

Durch diese und ähnliche Vorurteile wird die Thematik schnell zum Tabuthema. Doch so darf es nicht sein. Einsamkeit ist nicht nur ein temporäres Problem, sondern in den meisten Fällen ein sehr belastender Dauerzustand, der sich wie eine Spirale weiter fortsetzt, je länger er anhält und nach einer gewissen Zeit sogar krank machen kann.

  

Frage ist aber: Wie erkennt man das Problem und auf welche Art kann Menschen mit fehlendem sozialen Umfeld überhaupt geholfen werden? Sich der Einsamkeit (im Alter) zu stellen und darüber offen zu sprechen, fällt zwar vielen schwer, hilft aber allgemein im Umgang mit dem Alleinsein. Auch in der Öffentlichkeit wird mittlerweile breit über das Thema diskutiert, sodass auch Regierungen wie z.B. in England auf die Entwicklung und Probleme des demographischen Wandels eingehen. Dazu später mehr.

Doch was macht die Einsamkeit mit dem Menschen? Wie kann er sich auf der Gefühlsebene seinen Ängsten stellen? Und was überhaupt ist ‚Einsamkeit‘? Wir bieten Ihnen Aufschluss über das vielschichtige Thema.

Entkoppelt in einer vernetzten Welt

Digitale Kommunikationswege führen auch zur Vereinsamung

Die digitalen Kommunikationsmittel verbinden über alle geographische Grenzen hinweg und beschleunigen unseren Alltag ungemein. Fast alle Menschen sind miteinander vernetzt und können schnell und einfach in Kontakt treten. Doch genau dieses Phänomen führt auch dazu, dass ein Teil unserer Gesellschaft vor den Displays vereinsamt und den realen Kontakt im sozialen Umfeld vernachlässigt.

Es sind also nicht nur alte Menschen betroffen, die noch recht wenig mit neuen Technologien zu tun haben, sondern auch viele junge, die vermehrt allein vor dem Bildschirm durchs Netz surfen. Der digitale Kontakt ersetzt nicht das reale Gespräch, was jedoch zunehmend vermischt wird. Das erschwert eine klare Abgrenzung eines „einsamen“ von einem kontaktfreudigen, gesunden Menschen.

Junge schaut auf sein Handy | Pflegewelt von AXA

Soziale Unsicherheiten überwinden

Wie äußert sich Einsamkeit?

Menschen, die häufig alleine sind, durchlaufen eine persönliche Veränderung in ihrer sozialen Isolation. Viele suchen Ablenkung durch Selbstgespräche oder hüllen sich komplett in Stille. Von einer anfänglichen Schüchternheit aus entwickelt sich schnell die Angst vor dem Verloren sein. Wenige Gespräche zu führen mündet schnell in einer sozialen Unsicherheit und allgemeinen Zurückhaltung. Bei langanhaltender Einsamkeit sprechen Leidtragende auch von einer „Mauer des Schweigens“, die unüberwindlich zu sein scheint.


Lange auf sich selbst gestellt zu sein, kann psychosomatische Folgen mit sich bringen, d.h. die psychischen Leiden übertragen sich auf den Körper. Wer sich aus Angst nicht mehr aus dem Haus traut, bewegt sich dadurch weniger, was wiederum zu physischen Leiden führen kann. Dauerhafte Isolation ist also nicht nur eine Gefährdung für die Psyche, sondern auch für den Körper.

Einsamkeit in Gesellschaft und Politik

Ein Ministerium der Einsamkeit

Großbritannien hat beispielhaft das Problem der Einsamkeit erkannt und gehandelt. In England wurde Anfang 2018 ein eigener Ministerposten zur Thematik ins Leben gerufen. Im Vordergrund des Postens steht die Frage nach einer sinnvollen Prävention und wie überhaupt das Thema angegangen werden könne. Ziel ist es, das Tabuthema in die Öffentlichkeit zu rücken und einen aufklärenden Dialog zu führen.


Gefördert werden sollen hauptsächlich ehrenamtliche Posten, die einsamen Menschen Unterstützung bieten. Hierfür werden neue Anreize geschaffen, um einer „Epidemie im Verborgenen“ vorzubeugen. Diesen Begriff führte das Rote Kreuz nach einer Gesellschaftsstudie ein, nach der über 200.000 Menschen in Großbritannien höchstens ein Gespräch pro Monat führen.
 

Wir sind für Sie da, wenn Sie uns brauchen

Mit dem gesundheitsservice360° unterstützt AXA Sie bei allen Gesundheitsthemen:

Durch unsere Zusammenarbeit mit dem Therapeutenverbund erhalten Sie, wenn Sie bei uns krankenversichert sind, nach maximal 10 Werktagen ein Erstgespräch mit einem approbierten Psychotherapeuten. Rufen Sie einfach den Therapeutenverbund an - kostenlos unter 0800 - 89 20 870. Die Mitarbeiter dort sind für Sie jeden Tag 24 Stunden erreichbar und geben Ihre Daten nicht an Dritte weiter.

Grenzen überwinden

Gruppentherapie und Psychologische Betreuung

Aktiv in einer Selbsthilfegruppe haben Schicksalsgefährten die Möglichkeit sich frei auszutauschen und ihre Erfahrungen zu teilen. Darüber hinaus besteht untereinander eine geringere Hemmschwelle sich über das Leid konkret zu unterhalten. Dies kann je nach persönlichem Interesse z.B. in Form von Sprechrunden, Sportgruppen oder offenen Freizeitaktivitäten geschehen. Ein Großteil der Freizeitgestaltung wird durch ehrenamtliche Unterstützung realisiert. Über entsprechende Vereine werden auch Einzelbesuche zuhause organisiert.

Wichtig ist für Betroffene, überhaupt einmal in den Mittelpunkt rücken zu dürfen und aufrichtige Beachtung zu erfahren. Es werden also in unterschiedlichsten Formen Alternativprogramme geboten, die Hoffnung und Trost spenden. Vielen fällt es bei zunehmender Vereinsamung schwer sich selbst zu akzeptieren. Für manche Betroffene ist eine professionelle Betreuung die erfolgreichste Maßnahme zur Bekämpfung ihres Leidens. Bei der Suche nach dem geeigneten Ansprechpartner können Ärzte und Verbände Hilfestellungen geben.

Kommunen bieten (meistens auf dem Sozialamt) direkte Hilfestellungen. Über einen städtischen Vermittler in der Verwaltung kann man sich über Angebote informieren. Hier hilft es meist, einfach bei der Stadt anzurufen und nach Hilfe zu fragen. Häufig werden im Sozialamt Nachbarschaftstreffs, Sportangebote, Selbsthilfegruppen und viele weitere Angebote gelistet.

Ebenfalls beliebt in Sachen Freizeitaktivitäten sind die staatlichen Pflegestützpunkte. Hier werden kostenlose und ehrenamtliche Dienstleistungen zusammengetragen und an ältere Menschen vermittelt.

Ein erster Schritt zur Selbsthilfe ist das telefonische Betreuungsangebot „Silbernetz“: Hier können Sie in einer regelmäßig stattfindenden Sprechstunde mit einem ehrenamtlichen Helfer reden. Hier können Sie sich ebenfalls über Angebote in Ihrer Umgebung informieren.

Links zum Thema
 

Weitere hilfreiche Anlaufstellen haben wir für Sie hier aufgelistet:

Die AXA hat einige hilfreiche Tipps zum Thema Depressionen im Alter zusammengestellt. Erfahren Sie mehr darüber, wie Betroffenen geholfen werden kann.

Telefonseelsorge: http://www.telefonseelsorge.de/


Wege aus der Einsamkeit e.V.: https://www.wegeausdereinsamkeit.de


Silbernetz: https://www.silbernetz.org


Besuchs- und Begleitungsdienste der Malteser: https://www.malteser.de/besuchs-begleitungsdienste.html


Pflegestützpunkte: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/p/pflegestuetzpunkte.html

 

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