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Neue Liebe im Alter

Schmetterlinge im Bauch, ein wunderbares Gefühl, egal welchen Alters. Aber fühlt sich eine Liebe mit Ende sechzig genau so an wie mit Mitte zwanzig? Oder vielleicht sogar besser? 

Schon lange keine Ausnahme mehr

Neue Liebe, neues Glück

Nach wie vor gibt es auch heute noch zahlreiche Ehen und Partnerschaften, die jahrzehntelang bis ins hohe Alter Bestand haben. Inzwischen gleicht jedoch das Erreichen der goldenen oder gar diamantenen Hochzeit einem Auslaufmodell. Viele Ehen und Beziehungen scheitern heute auch noch weit nach dem „verflixten siebten Jahr“. Scheidungen sind auch im höheren Lebensalter keine Seltenheit mehr. Die Zeiten, in denen eine Ehe nur mit dem Versterben eines Partners endete, scheinen vorbei zu sein. Vielmehr wächst die Bereitschaft, auch als älterer Mensch die bisherigen Wege zu verlassen und neue zu beschreiten.

Alter schützt vor Liebe nicht.
Noch in den 1950er Jahren wurde nur etwa ein Zehntel aller Ehen geschieden. Inzwischen ist davon auszugehen, dass 25 Jahre nach Eheschließung nur noch etwa 60 Prozent aller Ehen Bestand haben.

Auslaufmodell Ehe

Wenn es nicht bis ans Lebensende hält

Die Ursachen dieses Wandels sind vielfältig. Neben einem grundlegenden Wertewandel, der Ehescheidungen zu sozialer Akzeptanz verholfen hat, spielt auch die gewachsene ökonomische Selbstständigkeit von Frauen durch Berufstätigkeit und die damit zunehmende Unabhängigkeit vom Partner eine Rolle. Sagen wir es, wie es ist: Frauen hatten früher häufig nicht die finanziellen Mittel, sich von ihrem Mann zu trennen.

Ebenso begünstigt die insgesamt höhere Lebenserwartung den Schritt in Richtung Trennung und Neuausrichtung auch nach langer Partnerschaft. Die Kinder sind aus dem Haus, das Berufsleben zu Ende, warum also nicht die nächsten 20 Jahre noch einmal völlig neu gestalten?

Mit der Zunahme an Trennungen und Scheidungen auch im dritten Lebensabschnitt steigt auch die Zahl der Singles in der Altersgruppe „60 plus“.

  

Viele haben den Wunsch, sich noch einmal zu verlieben und einen neuen Partner zu finden. Häufiger als Männer sind jedoch Frauen im höheren Alter alleinstehend. Während sie vor allem nach gleichaltrigen Partnern suchen, gehen Männer ihres Alters häufiger Beziehungen mit jüngeren Frauen ein. Zu dieser statistischen Benachteiligung kommt die insgesamt höhere Lebenserwartung der Frauen. Sie führt dazu, dass Frauen gerade im hohen Alter infolge von Verwitwung häufiger alleinstehend sind als Männer.

Die Chancen, einen neuen Partner zu finden, sind letztlich jedoch nicht vom Alter, sondern vielmehr vom sozialen Umfeld einer Person abhängig. Ein großer Freundeskreis und vielfältige soziale Beziehungen erhöhen die Chance, wieder einen Partner zu finden.

Aus Fehlern lernen

Alte Gewohnheiten und neue Erfahrungen

Der Anfang einer neuen Beziehung ist meist nicht ganz so einfach – egal in welchem Alter. Gerade die erste Zeit steht im Zeichen des gegenseitigen Kennenlernens.

Hatte der neue Partner oder die Partnerin bereits eine langjährige Beziehung oder Ehe, so wird diese sicherlich auch „Spuren“ hinterlassen haben. Man übernimmt Eigenschaften des anderen und verändert vielleicht sogar Ansichten und Gewohnheiten.

  

Schnell werden diese verfestigten Gewohnheiten und Vorlieben auch in die neue, noch frische Partnerschaft eingebracht.

Ein Tipp: Versuchen Sie, es langsam angehen zu lassen und vermeiden Sie Vergleiche. Jeder Mensch ist anders und hat verschiedene Wünsche und Bedürfnisse. Lernen Sie den anderen erst einmal kennen und vor allem lassen Sie dem Partner ausreichend Zeit, sich auf Sie einzustellen. Hinterfragen Sie aber auch sich selbst und Ihre vielleicht liebgewonnenen „Marotten“ und nicht nur die des Partners.

Beim nächsten Mal wird es besser

Nicht selten steht auch der Wunsch im Vordergrund, es bei dieser neuen Beziehung besser zu machen als bei der letzten. Fehler, die man in der Vergangenheit gemacht hat, will man nicht wiederholen und endlich die Zufriedenheit und das Glück finden, das man vorher womöglich vermisst hat. Diesem Wunsch ist natürlich nichts entgegenzuhalten, jedoch schafft er auch Druck. Alle Aspekte zusammengenommen führen häufig zu einer recht hohen Anspruchshaltung an die neu entstehende Partnerschaft. Der Wunsch, es besser zu machen, sollte jedoch nicht zur Angst vorm Versagen werden.

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´Sich aufeinander einlassen.´ Dies ist wohl der wichtigste Aspekt, wenn man auch im Alter noch Schmetterlinge im Bauch verspüren und nach dem Glück suchen will. Ute und Barbara stecken mittendrin und erzählen von ihren Erfahrungen.

Aus der Vergangenheit profitieren

Das Wissen um die eigenen Bedürfnisse

Neben der vermeintlichen „Vorbelastung“ oder besser Prägung durch vorangegangene Partnerschaften bringen erfahrene Partner aber auch immer hilfreiche Fertigkeiten und Erfahrungen mit in eine Beziehung. Beispielsweise hat man sich selbst im Laufe der Jahre sehr genau kennengelernt. Sie wissen, was Ihnen gut tut, was Sie wollen, was Ihnen wichtig ist, oder vielleicht auch nicht. Sie haben gelernt, Ihre Wünsche und Bedürfnisse reflektiert zu betrachten.

Diese „Selbst(er)kenntnis“ erleichtert es, einen ähnlichen und somit passenden Partner zu finden. Viele haben außerdem in vorherigen Partnerschaften den Umgang mit Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen gelernt. Ihnen fällt es im Vergleich zu jüngeren Paaren häufig leichter, mit Krisen umzugehen und diese zu meistern. Auch das sind Erfahrungswerte, die für das Bestehen einer funktionierenden Beziehung unerlässlich sind.

Neuausrichtung der Ansprüche

Häufig hat eine neue Partnerschaft im höheren Lebensalter auch eine etwas andere Gewichtung als in vorangegangenen Lebensabschnitten. Neben der gemeinsamen Zukunft kann die Beziehung auch auf dem Fundament gemeinsamer oder ähnlicher biographischer Erlebnisse der beiden Partner aufbauen. Häufig wird der Partner weniger als Liebhaber denn als Lebensgefährte verstanden, mit dem man gemeinsam den nächsten Lebensabschnitt meistern will. Alltagstauglichkeit und Krisenfestigkeit sind zwei der Kriterien, die für reife Partnerschaften häufig im Vordergrund stehen.

Alter schützt vor Liebe nicht

Auch körperliche Anziehung spielt eine Rolle

Und auch die Sexualität spielt für Ältere durchaus eine entscheidende Rolle, wenngleich das Thema nach wie vor in der Gesellschaft keine große Aufmerksamkeit erfährt.

Dabei verändern sich sexuelle Bedürfnisse und Vorlieben im Laufe des Lebens kaum. Ob ein Mensch ein starkes oder weniger starkes sexuelles Verlangen oder den Wunsch nach Intimität verspürt, ist vom Alter größtenteils unabhängig.

Auch der Wunsch nach Intimität lässt im Alter nicht nach. Sexuelle Bedürfnisse sind ein natürliches Verlangen.

Es hat sich gezeigt, dass Menschen, bei denen Sex bereits in jungen Jahren einen hohen Stellenwert eingenommen hat, auch im Alter noch sehr aktiv sind. Andersherum genauso. War Sex in den bisherigen Beziehungen nicht so wichtig, wird er es wahrscheinlich auch in Zukunft nicht sein. An seine Stelle treten häufig andere Bedürfnisse, wie der Wunsch nach Nähe oder Zärtlichkeit.

Wird die neue Partnerschaft auch physisch enger, machen sich vor allem die Frauen vorab vielfache (unbegründete) Gedanken. Die Jahrzehnte haben Spuren hinterlassen, alles ist nicht mehr so glatt und straff wie in der Jugend.

Häufig steht die Scham, den eigenen nicht mehr jungen Körper dem neuen Partner zu zeigen, einem zufriedenstellenden Sexualleben im Weg. Die Männer haben Angst, „ihren Mann nicht mehr stehen zu können“.

Diese schambesetzten Themen wie Potenzstörungen können schnell zur Unzufriedenheit führen. In diesen Fällen sollte nach Möglichkeit ein offenes Gespräch über die eigenen Wünsche, Vorlieben, aber auch Ängste in Bezug auf die Sexualität geführt werden. Dies hilft, Missverständnissen von Beginn an vorzubeugen und eine möglichst gute und vertrauensvolle Atmosphäre für eine beide Seiten zufriedenstellende Intimität zu schaffen. Auch ein Besuch beim Arzt kann hier hilfreich sein. Viele „Probleme“ lassen sich leicht aus der Welt schaffen.

Das Fazit: Auch unter der mitunter etwas rationaleren und abgeklärteren Sichtweise eines älteren beziehungserfahrenen Menschen ist eine neue Liebe im dritten oder vierten Lebensabschnitt nicht nur möglich, sondern wird immer mehr zur Regel. Eine Trendwende die, wenn man die positiven Aspekte und Auswirkungen einer Partnerschaft berücksichtigt, sehr zu begrüßen ist.

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Warum den Lebensabend alleine verbringen? Denn: Liebe ist keine Frage des Alters. Eine reife Partnerschaft macht das Leben bunt und regt zum aktiven Genießen zu zweit an.

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