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Die Wechseljahre

Ein veränderter Hormonhaushalt bringt Vieles mit sich. Mit dem Sinken des Spiegels der Sexualhormone gehen zahlreiche körperliche Veränderungen und mitunter auch Beschwerden einher.

Zeiten des Wandels

Wechseljahre sind Jahre vielfältiger Veränderungen, bei Frauen wie Männern gleichermaßen. Nicht nur der Hormonhaushalt und mit ihm der Körper verändert sich. Auch soziale und persönliche Umstände und Beziehungen können, ab dem Beginn der Wechseljahre, einem Wandel unterliegen. Viele Eltern erleben die Abnabelung der inzwischen erwachsenen Kinder, die eigenen Eltern kommen ins hohe Alter und bedürfen mitunter intensiverer Betreuung oder gar Pflege. Auch beruflich kann dies eine Phase von Umbrüchen und neuer Orientierung bedeuten.

Ebenso individuell wie die Menschen sind auch die Auswirkungen der Wechseljahre, mit denen sich Mann oder Frau konfrontiert sehen kann. Neben persönlichen Herausforderungen und Möglichkeiten zur Neuorientierung, die mit diesem Lebensabschnitt einhergehen, gibt es auch einige körperliche Veränderungen, die die Meisten mehr oder weniger stark ausgeprägt im Rahmen der Wechseljahre, auch Klimakterium genannt, erleben.
 
Während in der Pubertät mit der ersten Regelblutung, der Menarche, die Geschlechtsreife eintritt, verlieren Frauen diese im Rahmen der Wechseljahre wieder. Man spricht hier auch von der Menopause. Bei Männern vollzieht sich der Wandel im Hormonhaushalt eher schleichend, viele bleiben daher bis ins hohe Alter zeugungsfähig.

Trotz all der möglichen Belastungen und Beschwerden sind die Wechseljahre der Frau ein natürlicher Prozess, der an sich keinen Krankheitswert besitzt. Sie sind lediglich eine Phase, die weit mehr beinhaltet als das Risiko körperlicher Beschwerden. In vielen Fällen hilft bereits das Wissen und Verständnis für die ablaufenden Prozesse im eigenen Körper, um die Wechseljahre unbeschwerter zu durchleben.

Führt die hormonelle Umstellung dennoch zu körperlichen und/oder seelischen Beeinträchtigungen, so kann nach einer ausführlichen ärztlichen Untersuchung gemeinsam mit der Frau über Behandlungsmöglichkeiten zur Reduktion oder Beseitigung der Beschwerdesymptomatik entschieden werden.

Die Rolle der Sexualhormone

Was passiert während der Wechseljahre?​

Zwischen dem ersten Eisprung in der Jugend und der Menopause sind die Eierstöcke der Frau der wichtigste Ort für die Produktion verschiedener Sexualhormone. Hier werden allem voran Östrogene und Gestagene („weibliche Sexualhormone“), aber auch Androgene („männliche Sexualhormone“) gebildet. Diese Hormone stehen im Zusammenhang mit dem regelmäßigen Heranreifen von Eizellen und dem Eisprung sowie anderen für die Fortpflanzung notwendigen Aspekten.  

In der Zeit vor dem letzten Eisprung, der sogenannten Prämenopause, verringert sich bereits die Häufigkeit des Eisprungs – die Zyklen werden unregelmäßiger und die Monatsblutung bleibt bereits hin und wieder aus. Dies beruht darauf, dass die Menge an Sexualhormonen im Blut der Frau bereits abnimmt. Die eigentliche Menopause, die letzte Regelblutung, lässt sich immer erst rückblickend ausmachen – dann, wenn man das dauerhafte Ausbleiben der Periode feststellt. Sie tritt meist zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr ein. Rauchen oder ein niedriges Körpergewicht können zu einem etwas früheren Verlust der Fruchtbarkeit führen. Nach der letzten Periode spricht man von der Postmenopause, also der Zeit nach der Menopause. Diese erstreckt sich etwa bis zum 65. Lebensjahr einer Frau.

In der Prämenopause verringert sich die Häufigkeit des Eisprungs.

Die Sexualhormone der Frau​

Hauptproduktionsort für die Sexualhormone der Östrogene und Gestagene sind die Eierstöcke. In ihnen befindet sich von Geburt an ein Vorrat an Eizellen, die im Rahmen des Zyklus nacheinander heranreifen. Während der Prämenopause läuft dieser Prozess bereits seltener ab – es werden weniger Östrogene und Gestagene gebildet. Unregelmäßige Zyklen sind ein erster Hinweis auf das beginnende Klimakterium. Östrogene, Androgene und Gestagene wirken sich jedoch nicht nur auf die Geschlechtsorgane aus.

Auch zahlreiche andere Organsysteme werden durch sie beeinflusst. Daher bedeutet das Klimakterium mehr als nur den Verlust der Fruchtbarkeit. Die Auswirkungen des absinkenden Hormonspiegels etwa auf Haut, Stoffwechsel oder Herz-Kreislauf-System sind es, die bei vielen Frauen zu den typischen Wechseljahresbeschwerden wie beispielsweise Hitzewallungen, Schweißausbrüche und vaginale Trockenheit führen können.

Die Tücken der Wechseljahre

Wechseljahresbeschwerden​


Neben den einzelnen körperlichen Veränderungen, die durch den Wandel im Hormonhaushalt entstehen, erleben viele Frauen die sogenannten Wechseljahresbeschwerden als unangenehm. Etwa ein Drittel aller Frauen im Klimakterium werden in ihrem Alltag stark durch Probleme wie Hitzewallungen, Schlaf- und Befindlichkeits­störungen beeinträchtigt.

Die verringerte Produktion von Östrogenen bewirkt einen Anstieg des Stresshormons Adrenalin und hierdurch indirekt Hitzewallungen und Herzrasen. Mehrmals pro Woche oder sogar mehrfach täglich treten eine Rötung des Oberkörpers und Gesichts sowie ein beschleunigter Puls auf, gefolgt von einem Schweißausbruch. Als hilfreich erweist sich hier Kleidung nach dem Zwiebelprinzip, um sich bei Bedarf schnell Abkühlung verschaffen zu können. Außerdem sollten Kaffee, andere heiße Getränke, Hitze und Stress vermieden werden, da sie das Auftreten der Hitzewallungen begünstigen.

Außerdem kann eine Senkung der Umgebungstemperatur hilfreich sein. Nichtraucherinnen leiden seltener unter Hitzewallungen. Regelmäßige körperliche Aktivität, Entspannungsübungen und Normalgewicht können sich günstig auf die Frequenz und den Schweregrad von Hitzewallungen auswirken.  
Viele Frauen leiden zudem im Klimakterium unter Schlafstörungen und daraus resultierender Erschöpfung. Zu empfehlen ist der Verzicht auf koffeinhaltige Getränke sowie große Mahlzeiten vor dem Zubettgehen. Zudem gibt es zahlreiche pflanzliche Wirkstoffe zum Beispiel aus Baldrian oder Hopfen, oft in Form von Dragees oder Schlaf-Tees angeboten, die beim Einschlafen helfen können. Beachten Sie jedoch, dass Schlafstörungen nicht ursächlich mit dem Klimakterium in Zusammenhang stehen müssen.
 

Viele Frauen leiden im Klimakterium unter Schlafstörungen und daraus resultierender Erschöpfung.

Bitte sprechen Sie hierüber mit Ihrem Arzt. Er wird Sie dann über die üblichen Behandlungsmöglichkeiten informieren.

Östrogene wirken stimmungsaufhellend. Nimmt ihre Konzentration im Körper ab, kann dies zu Stimmungsschwankungen, Gereiztheit oder Nervosität führen. Ruhe und Ausgeglichenheit wieder zu erlangen, ist eine sehr individuelle Aufgabe. Manche profitieren von Yoga oder Meditation, anderen geht es besser, wenn sie sich sportlich richtig auspowern oder sich regelmäßig mit Freundinnen zum Austausch treffen. Sollten Sie bei sich erleben, dass Sie nicht nur negativ gestimmt, sondern stark niedergeschlagen, antriebslos oder freudlos sind, sollten Sie das ernst nehmen. Falls die psychischen Beeinträchtigungen längere Zeit andauern, kann es ratsam sein, das Vorliegen einer Depression auszuschließen. Auch hier gilt, dass die Stimmungsveränderungen nicht in Zusammenhang mit dem Klimakterium stehen müssen und ggf. eine ärztliche Behandlung erforderlich ist.
 
Für all die genannten Veränderungen und Beschwerden gilt: sobald Sie und Ihre Lebensqualität stark unter den Umständen leiden, sollten Sie Ihren Frauenarzt aufsuchen, um die Ursachen und mögliche Therapievorschläge zu besprechen.

Neben den genannten Punkten gibt es zahlreiche weitere körperliche Veränderungen, die sich aus dem veränderten Hormonhaushalt ergeben – die jedoch nicht immer zu Beschwerden oder Krankheiten führen.

Köperliche und psychische Veränderungen

Haut, Haare und Schleimhäute​

Östrogene begünstigen die Einlagerung von Wasser in das Hautgewebe. Im Rahmen der Wechseljahre nimmt dies ab und führt somit zu sinkender Elastizität der Haut. Zudem verliert sie häufig an Feuchtigkeit, ist gerötet und juckt. Achten Sie darauf, ausreichend Flüssigkeit (etwa 1,5- 2 Liter pro Tag) in Form von Wasser oder ungesüßten Tees zu sich zu nehmen.

Die Schleimhäute an Augen und Nase werden weniger durchblutet und dadurch trockener. Auch die Produktion von Tränenflüssigkeit kann sich verringern und zu Irritationen am Auge führen.
Während das Kopfhaar dünner wird, kann sich durch die Verschiebung des Hormongleichgewichts zu Gunsten des Testosterons ein Damenbart ausbilden.

Bewegungsapparat

Der Mangel an weiblichen Sexualhormonen wirkt sich negativ auf die Dichte der Knochen aus und kann zu einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche im Rahmen einer Osteoporose führen. Der veränderte Hormonhaushalt stellt jedoch nicht die einzige Ursache für poröse Knochen dar. Erbliche Belastung spielt hierbei eine ebenso wichtige Rolle. Es empfiehlt sich daher, nicht bis zum Einsetzen der Menopause zu warten. So können Sie bereits vorsorglich beim Arzt Ihre Knochendichte bestimmen lassen, um Ihr persönliches Risiko abschätzen und vor allem rechtzeitig therapeutisch eingreifen zu können. Zur Vorbeugung kann sich eine Hormontherapie eignen, da die dadurch zugeführten Östrogene möglicherweise den Knochenabbau hemmen. Klären Sie vorher mit Ihrer Kasse die Kostenübernahme für die Knochendichtemessung und die Hormontherapie ab. Wichtig ist zudem, Stürze und Unfälle zu vermeiden, deren Folge Knochenbrüche sein können – zum Beispiel, indem man Stolperfallen und Hindernisse im Haushalt ausräumt.
 
Auch der Gelenkknorpel leidet unter dem niedrigen Östrogenspiegel, zudem kann die Muskelmasse abnehmen. Dies kann zu Gelenkschäden und wiederkehrenden Rückenschmerzen führen.
Sport und vermehrte körperliche Aktivität können diese Risiken senken. Besonders geeignet sind gelenkschonende Sportarten wie Nordic-Walking, Fahrradfahren oder Schwimmen und Wassergymnastik.

Geschlechtsorgane, Beckenboden und Blase

Die verringerte Östrogenproduktion führt zu einer Verkleinerung der Gebärmutter, es kommt zudem häufig zu leichten Zwischenblutungen. Diese sollten Sie sicherheitshalber von Ihrem Frauenarzt abklären lassen.

Auch das Drüsengewebe der Brust bildet sich zurück, die Brüste werden hierdurch etwas kleiner und schlaffer. Die Durchblutung der Schleimhäute der Scheide nimmt ab, Beschwerden beim Geschlechtsverkehr können die Folge sein. Gleitmittel auf Wasserbasis oder die Therapie mit lokal aufgetragenen Östrogenen können Abhilfe schaffen. Es kommt zudem zu einer altersbedingten Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur und einer schlechteren Durchblutung der Schleimhäute von Blase und Harnwegen. Dies kann Harnwegsinfekte oder Inkontinenz begünstigen.

Bei Vorliegen dieser Probleme ist ebenfalls der Gynäkologe der geeignete Ansprechpartner, um die Ursachen der Blasenprobleme auszumachen. Einer Erschlaffung des Beckenbodens kann man durch spezielle Beckenbodengymnastik entgegenwirken.

Herz-Kreislauf-System und Stoffwechsel​

Ein häufig beklagtes Problem im Rahmen der Wechseljahre ist eine Gewichtszunahme. Diese ist jedoch mehr durch den ohnehin im Alter sinkenden Grundumsatz aufgrund der Abnahme der Muskelmasse als durch den veränderten Hormonhaushalt bedingt. Was sich durch den eintretenden Überschuss an männlichen Hormonen tatsächlich verändert, ist jedoch das Fettverteilungsmuster. Viele Frauen wandeln sich vom „Birnentyp“ (Fettpolster vor allem im Hüftbereich und am Po) zum „Apfeltyp“ mit vermehrtem Bauchfett. Es ist deshalb ratsam, im Alter ein wenig mehr auf das Gewicht und die Verteilung der Fettpolster zu achten. Fett im Bauchraum geht mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus Typ 2 einher und der Fett- und Zuckerstoffwechsel kann sich zum Negativen verändern.

Die Hormontherapie

Wer kann davon profitieren?

Ein genereller Einsatz einer Hormontherapie bei klimakterischen Beschwerden ist nicht zu empfehlen.
Es muss in jedem Fall eine ausführliche Risiko-Nutzen-Abwägung vor dem Beginn einer solchen Behandlung stehen, denn nicht für jede Frau ist diese eine gute Option. Eine ausführliche Aufklärung über mögliche Risiken und Nutzen ist unerlässlich.
 
Unabhängig von der Herstellungsweise der Hormone existieren verschiedene Anwendungsweisen. Die Behandlung erfolgt mit verschiedenen Präparaten in unterschiedlicher Form und Zusammensetzung. So enthalten die Medikamente entweder nur Östrogene, oder es liegt eine Kombination aus Östrogenen und Progesteron vor. Die Wirkstoffe können in Form von Tabletten eingenommen oder als Pflaster aufgebracht werden. Auch eine vaginale Anwendung mittels Zäpfchen oder Cremes ist etabliert. Die Aufnahme der Hormone über die (Schleim-)Haut bietet den Vorteil, dass der Verdauungstrakt und somit die Leber umgangen werden und keine unwirksamen Zwischen- und Abbauprodukte der Hormone entstehen.

Je nach Symptomen wählt der Frauenarzt aus verschiedenen Präparaten die unterschiedlichen Hormon-Kombinationen aus. Nicht bei allen Wechseljahresbeschwerden ist eine Hormontherapie sinnvoll.
 
Viele Studien haben sich mit dem Zusammenhang zwischen einer Hormontherapie und Brustkrebs beschäftigt. Mittlerweile gilt als gesichert, dass die Hormontherapie zwar nicht die Entstehung, wohl aber das Wachstum sogenannter hormon-sensitiver Karzinome begünstigen kann.
Die Entscheidung für oder gegen eine Hormontherapie ist immer eine Einzelfallentscheidung, die unter gründlicher Abwägung der individuellen Nutzen und Risiken, unter Berücksichtigung anderer Erkrankungen und Beschwerden und nach eingehender Untersuchung getroffen werden muss.

Existieren Alternativen zur Hormonbehandlung?

Für die Wirksamkeit alternativer Ansätze wie Ginseng, Angelica sinensis, Nachtkerzenöl, Akupunktur, Reflexzonenmassage liegen keine hinreichenden Belege vor.

Für Frauen nach oder bei bestehendem Mammakarzinom kann eine Behandlung mancher Beschwerden mit Medikamenten aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, einer Form von Antidepressiva, erwägt werden, es handelt sich hierbei jedoch jeweils um Einzelfallentscheidungen.

Gibt es die Wechseljahre des Mannes? Aging-Male-Sydrom​

Androgene und ihre Funktion

Androgene sind die Gruppe der „männlichen Sexualhormone“. Sie fördern Entwicklung und Erhaltung der männlichen (Geschlechts-)Merkmale und werden in spezialisierten Zellen des Hodens (bei der Frau: der Eierstöcke) und zum Teil auch in der Nebennierenrinde gebildet. Beim Mann ist der Androgen-Spiegel wesentlich höher als bei der Frau.
Androgene sind unerlässlich für die Bildung der Spermien. Zudem fördern diese Hormone bei beiden Geschlechtern den Muskelaufbau und hemmen den Zuwachs an Fettgewebe.

Klimakterium virile

Auch beim Mann verändert sich im höheren Lebensalter der Hormonhaushalt. Ab etwa dem 40. Lebensjahr nimmt die Konzentration des männlichen Sexualhormons Testosteron kontinuierlich ab: um etwa 1,6 % pro Jahr. Hier findet sich bereits der entscheidende Unterschied zu den Wechseljahren der Frau; bei Frauen verändert sich der Hormonhaushalt innerhalb kürzester Zeit signifikant, die Fruchtbarkeit endet. Männer hingegen sind in der Regel trotz sinkenden Androgen-Spiegels noch bis ins hohe Alter zeugungsfähig.

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