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Tattoos - Gefahren durch Tinte

Immer mehr Menschen tragen ein Tattoo auf ihrem Körper. Doch nicht jeder weiß um die Gefahren, die von der Tinte in der Haut ausgehen. Informieren Sie sich hier…

Unter die Haut

Individuell gestaltbar

Eine der ältesten Arten des Körperschmucks ist das Tattoo. Das wohl bekannteste Beispiel dafür ist Ötzi, dessen Körper 61 Tätowierungen zieren. Die Technik mit der dem rund 5200 Jahre alten Mann aus dem Eis die Tattoos „gestochen“ wurden klingt befremdlich. Denn ihm wurden kleine Schnitte zugefügt, die dann mit Holzkohle gefüllt wurden und anschließend wieder verheilten.

In der heutigen Zeit werden Tattoos nicht mehr in steinzeitlichen Höhlen gestochen, sondern meist in eigens dafür gemachten Tattoostudios. Und auch die Technik hat sich verändert. Mithilfe von Tätowiermaschinen und synthetisch hergestellten Farben werden Bilder und Schriftzüge jeder Größe und Farbe auf, oder vielmehr in der Haut festgehalten - und das für den Rest des Lebens.

Die Langlebigkeit der Tattoos ist in der Beschaffenheit der äußeren Haut begründet, die aus drei Schichten besteht. Die oberste Schicht wird von der sich stetig erneuernden Epidermis gebildet, in der Mitte liegt die Dermis, auch Lederhaut genannt. Die Subkutis schließt nach unten hin ab. Die Tattoofarbe wird mithilfe von Nadeln in der mittleren Schicht, also der Dermis, platziert. Hier finden sich langlebige Zellen, die die Farbpigmente dauerhaft einschließen.

Tattoos - eine Gefahr für die Gesundheit?

Welche Risiken bestehen?​

Jeder zehnte Deutsche trägt mittlerweile ein Tattoo auf seiner Haut und viele liebäugeln mit der Idee sich eines zuzulegen. Dass das Stechen eines Tattoos meist schmerzhaft ist, leuchtet ein. Aber dass im Zusammenhang mit den Körpergemälden eine ganze Reihe an gesundheitlichen Gefahren entstehen kann, ist oft nicht bekannt. Doch was genau kann eigentlich passieren?

Unmittelbar nach dem Stechen eines Tattoos kann es zu Schwellungen und Rötungen der betroffenen Region kommen, eine Reaktion des Körpers auf die vielen kleinen Verletzungen der Haut durch die Nadelstiche. Ein „frisches“ Tattoo ist nichts anderes als eine mehr oder weniger große Wundfläche. Über eine sorgfältige hygienische Wundpflege sollte jeder Tätowierer seine Kunden ausführlich aufklären. Leider kann es auch trotz guter Pflege zu einer Infektion kommen, da unsere Haut ständig mit Bakterien besiedelt ist. Tritt solch eine Infektion auf, so sollte diese antibiotisch behandelt werden. Schwere Fälle müssen eventuell sogar im Krankenhaus behandelt und operiert werden. Besonders hoch ist das Risiko für eine Infektion, wenn das Tattoo nicht unter hygienisch einwandfreien, sterilen Bedingungen gestochen wird.

In den meisten Tattoostudios wird natürlich großer Wert auf eine saubere und hygienische Arbeitsweise gelegt. Der Beruf des Tätowierers ist allerdings staatlich nicht anerkannt und es existieren daher auch keine staatlichen Richtlinien für eine korrekte Arbeitsweise.

Deshalb gibt es unter Tätowierern leider vereinzelt auch Ausnahmen, die die Gesundheit ihrer Kunden beispielsweise durch ungenügende Hygiene gefährden. Das größte Infektionsrisiko besteht bei Tattoos, die von Laien angefertigt werden.
 
Besonders anfällig für Infektionen sind Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist und die zu Wundheilungsstörungen neigen. So sollten sich Diabetiker und Patienten, die unter immunsuppressiver Therapie stehen oder eine Immunschwäche haben, kein Tattoo stechen lassen. Auch Schwangere und Menschen mit Blutgerinnungsstörung, sollten das zusätzliche Gesundheitsrisiko durch Tattoos nicht eingehen.

Professionelle Tätowierer verwenden ausschließlich Einwegnadeln, denn bei der Nutzung von sterilisiertem Arbeitsmaterial geht die Wahrscheinlichkeit, sich mit einer übertragbaren Krankheit wie Hepatitis, Syphilis oder auch HIV anzustecken, gegen Null. Werden jedoch Nadeln benutzt, die ohne adäquate Reinigung bei mehreren Personen verwendet wurden, steigt das Risiko einer Ansteckung stark an. Wenn Sie sich tätowieren lassen möchten, sollten Sie also unbedingt darauf achten, dass Ihr Tätowierer für jeden Kunden eine neue Einwegnadel verwendet.

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Inhaltsstoffe

Was macht die Farbe mit unserem Körper?

Tattoos können in fast allen Farben und Schattierungen angefertigt werden. Doch was ist in den verschiedenen Farbstoffen eigentlich enthalten? Ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe stimmt nachdenklich, denn diese sind keineswegs ungefährlich. Viele der verwendeten Bestandteile stammen aus Bereichen, die ganz und gar nicht mit Gesundheit assoziiert werden.

So finden sich in häufig verwendeten Tätowierfarben unter anderem Stoffe, die zum Beispiel auch in Autolacken und Druckerfarben enthalten sind:

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) entstehen bei Verbrennungsprozessen zur Herstellung von Rußschwarz. In einigen schwarzen Tattoofarben konnten hohe PAK-Werte nachgewiesen werden. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe sind sogenannte Karzinogene, sie sind also krebserregend. Außerdem haben sie eine erbgutverändernde Wirkung. PAK sind natürlich nicht nur in Tattoofarben enthalten. Dadurch, dass sie sich an Staubpartikel binden, werden sie nach ihrer Entstehung über die Luft verteilt und lassen sich im Boden, auf Pflanzen und in Gewässern nachweisen. Welche Wirkung sie bei direkter Einbringung in die Haut entfalten, lässt sich allerdings noch nicht genau sagen.

Azo-Farbstoffe

Neuere Tattoofarben werden oftmals mit Hilfe von organisch-synthetischen Azo-Farbstoffen hergestellt. Das Problematische an diesen Farbstoffen ist, dass sie sich unter bestimmten Bedingungen aufspalten. Dabei können sogenannte primäre aromatische Amine entstehen, die wiederum krebserregende Wirkung haben. Die Verwendung der betroffenen Azo-Farbstoffe ist verboten, dennoch konnten in einer Untersuchung des Bayrischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in einigen Tattoofarben verschieden große Mengen der potentiell gesundheitsschädlichen Substanzen nachgewiesen werden.

Konservierungsstoffe

Neben den Farbpigmenten enthalten die Tätowiermittel auch Konservierungsstoffe und Stoffe, die das Tropfen der Farbe verhindern sollen. Die genaue Zusammensetzung dieser Zusätze ist nicht bekannt. Da diese Mischungen aber ursprünglich nicht für den Kontakt zur Haut gedacht waren, sondern unter anderem in Autolacken Verwendung finden, ist davon auszugehen, dass sie ein Risiko für die Gesundheit darstellen.

Schwermetalle

Auch Schwermetalle ließen sich in einigen Tattoofarben nachweisen. Das Bayrische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit wies auch hier darauf hin, dass in einigen untersuchten Proben, Spuren von Blei, Cadmium, Antimon, Nickel und Arsen nachweisbar waren. Die Konzentration der Substanzen wurde jedoch nicht als gesundheitsgefährdend eingeschätzt.

Allergische Reaktion

Der Fremdkörper unter der Haut

Für unseren Körper stellt die Farbe, die in die Haut eingebracht wird, etwas Fremdes dar und kann potentiell eine allergische Reaktion auslösen.

Diese ist meist auf die tätowierte Hautregion begrenzt, in seltenen Fällen finden sich aber auch in der Umgebung des Tattoos oder sogar am ganzen Körper Zeichen für eine Unverträglichkeit gegenüber dem Körperschmuck. Hautrötungen, Jucken, Brennen und Bläschenbildung sind Anzeichen für eine Allergie gegen Bestandteile des Tattoos.
Oft treten die Symptome kurz nach dem Stechen des Tattoos auf, es kann aber auch erst Monate oder gar Jahre später zu Beschwerden kommen. Häufige Auslöser der Allergie sind metallische Bestandteile der Farbe, wie z.B. Quecksilber, Nickel oder Kobalt.

Tritt eine Tattoo-Allergie auf, so verschafft nur eine Entfernung endgültige Linderung. Dies kann mittels Lasertherapie oder chirurgisch geschehen. Zwar könnten Cortisoncremes kurzzeitige Besserung verschaffen, sie beheben jedoch nicht die Ursache des Problems, denn die Tattoofarbe verbleibt im Körper.
                                   
Ein wesentliches Problem dieser Thematik ist, dass niemand genau sagen kann, welche Wege die Tattoofarben im Körper nehmen, ob und wie sie verstoffwechselt werden und welche Langzeitfolgen auftreten können.

Fest steht, dass die eingebrachten Substanzen nicht vollständig an ihrem Bestimmungsort verbleiben, sondern teils mit dem Blutfluss und teils über Lymphbahnen abtransportiert werden. So berichten Chirurgen, dass sie des Öfteren bei Operationen Lymphknoten in der Nähe von Tätowierungen finden, die bunt eingefärbt sind.

Es ist nicht bekannt, ob die verschiedenen Inhaltsstoffe der Tattoofarbe unter der Haut stabil bleiben oder ob sie durch den Körper abgebaut werden. Die dabei entstehenden Spaltprodukte könnten neue gesundheitsschädliche Wirkungen entfalten, die bei der Ursprungssubstanz nicht bekannt waren.
Weitere Ungewissheit besteht bei der Wirkung von Licht auf Tattoos. Vor allem rote und gelbe Farben reagieren auf UV-Strahlung, sodass es zu einer Hautreizung bei Sonnenstrahlung kommen kann. Es wird diskutiert, dass dabei chemische Reaktionen in der Haut ablaufen und giftige Stoffe entstehen könnten.

Das Problem mit der Tätowiermittelverordnung

Seit dem 1. Mai 2009 gilt in Deutschland die „Verordnung über Mittel zum Tätowieren einschließlich bestimmter vergleichbarer Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen", kurz Tätowiermittelverordnung.
Mit ihrer Hilfe soll durchgesetzt werden, dass keine gesundheitsschädlichen Stoffe in Tätowiermitteln verarbeitet werden. Außerdem werden Vorgaben zur Kennzeichnung der Produkte gemacht, sodass unter anderem eine eindeutige Bezeichnung des Produkts, eine Chargennummer, das Mindesthaltbarkeitsdatum und eine genaue Auflistung der Bestandteile auf jeder Verpackung angegeben werden müssen. Die Tätowiermittelverordnung enthält eine Liste mit Inhaltsstoffen, die in Tattoofarben nicht enthalten sein dürfen.

Nicht in jedem Land gültig

Da die Verordnung im Ausland keine Gültigkeit hat, werden dort jedoch weiterhin Produkte hergestellt, die die gefährlichen Stoffe enthalten. Grade aus Japan, China, Frankreich und den USA kommen weiterhin Produkte nach Deutschland, die laut der Tätowiermittelverordnung nicht verwendet werden dürfen.
Ein weiteres Problem ist, dass in rasantem Tempo neue Farben auf den Markt kommen, deren Inhaltsstoffe durch die Tätowiermittelverordnung noch gar nicht erfasst sind. So befinden sich unter Umständen Tattoofarben auf dem Markt, die zwar (noch) nicht verboten sind, aber trotzdem eine Gefahr für die Gesundheit darstellen.

Jeder kann Tätowierer werden

Der Beruf des Tätowierers ist staatlich nicht anerkannt, Ausbildung oder Studium gibt es nicht. Jeder kann also ein Studio eröffnen und zur Tätowiermaschine greifen, ganz ohne staatliche Vorschriften. Alles was man dazu braucht ist eine Gewerbeanmeldung.

Zwar führt das Gesundheitsamt eine Erstüberprüfung nach der Eröffnung eines Tattoostudios durch, doch der Zeitraum bis zur nächsten Kontrolle ist nicht festgelegt und kann so unter Umständen mehrere Jahre betragen. Möchte man sich also ein Tattoo stechen lassen, so sollte man sich unbedingt genau über die Arbeitsweise und Hygienemaßnahmen eines Studios erkundigen. Existiert zum Beispiel ein separater Raum mit abwischbaren Oberflächen, in dem das Tattoo gestochen wird und werden sterile Instrumente verwendet? Können diese Fragen nicht mit Ja beantwortet werden, so sollten Sie in diesem Studio niemanden Ihre Haut anvertrauen.

Risiken der Tattooentfernung

Sich der Entscheidung bewusst sein

Egal ob Jugendsünde, unüberlegte Motivwahl oder gesundheitliche Beschwerden. Nicht jeder Tattooträger steht ein Leben lang zu seiner Entscheidung und so möchten viele Menschen ihr Tattoo wieder entfernen lassen. Eine Möglichkeit besteht darin, das Tattoo mit Laserstrahlen zu behandeln. In mehreren Sitzungen werden auf diese Weise die Farbpigmente aufgespaltet und das Tattoo verblasst nach und nach. Aber auch hierbei ist nicht klar, welches Gesundheitsrisiko für den Körper durch die neu entstandenen Spaltprodukte entsteht.

In einer Untersuchung des Bundesinstituts für Risikobewertung konnte nun erstmals die Entstehung von Blausäure bei der Tattooentfernung mittels Rubinlaser nachgewiesen werden. Blausäure ist ein starkes Zellgift. Die Gefahr für Zellschäden steigt mit der Größe des zu entfernenden Tattoos.

Eine neuere Möglichkeit ein ungeliebtes Tattoo loszuwerden besteht in der Applikation von flüssigem Tattoo-Entferner. Dazu wird, wie auch beim Stechen des Tattoos, eine Flüssigkeit unter die Haut gespritzt, die das Tattoo verschwinden lassen soll. Das Bundesinstitut für Risikobewertung schätzt diese Methode allerdings als gesundheitsgefährdend ein, da in der verwendeten Flüssigkeit 40% Milchsäure enthalten ist. Diese wirkt stark hautreizend und kann zu Narbenbildung und Entzündungsreaktionen führen.

Gut zu wissen

Unabhängig von der Entfernungsmethode kann es vorkommen, dass sich ein Tattoo nicht vollständig entfernen lässt. Es kann zu Farbveränderungen und Narbenbildung kommen. Generell gilt, dass die Entfernung von Tattoos in die Hände von Medizinern gehört, um größtmögliche Sicherheit zu gewährleisten.

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