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Darmkrebs

Neben operativen Verfahren gehört mitunter auch eine Radio- oder Chemotherapie zur Behandlung von Darmkrebs. Entscheidend für das Vorgehen ist die Art und Größe des Tumors. Gerade beim Rektumkarzinom kann ein (vorübergehender) künstlicher Darmausgang notwendig werden.

Mögliche Therapieschritte

Bestimmung des Tumorstadiums​

Vor jeder Krebsbehandlung ist es notwendig, sich ein genaues Bild von der Erkrankung zu verschaffen. So muss beispielsweise untersucht werden, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist und ob bereits andere Organe betroffen sind. Denn ist ein Krebs entstanden, können sich einzelne Zellen lösen und über die Blut- oder Lymphbahnen in andere Organe gelangen und sich dort ansiedeln (sogenannte Metastasenbildung). Ebenfalls wichtig sind die Fragen: Wie groß ist der Tumor? Wie tief ist er in das umliegende Gewebe eingedrungen? Wie schnell wächst er?

Diese Fragen sind relevant für die Bestimmung des sogenannten Tumorstadiums. Von diesem hängt letztlich die weitere Vorgehensweise und Behandlung ab.

Um diese Faktoren zu bestimmen werden beim Darmkrebs mehrere Untersuchungen durchgeführt. Hierzu gehört zunächst eine digitale rektale Untersuchung. Hierbei tastet der Arzt mit seinen Fingern den letzten Abschnitt des Darms vor dem After ab. Dies gibt bei Mastdarmkarzinomen mitunter einen Aufschluss auf ihre Größe und es kann die Funktion des Schließmuskels überprüft werden.

Auch das Blut wird untersucht. Es gibt sogenannte "Tumormarker". Deren Konzentration im Blut kann beim Darmkrebs erhöht sein, daher wird das "Carcino Embryonale Antigen" (CEA) bestimmt. Der absolute CEA-Wert hat wenig Aussagekraft. Es lässt allerdings die relative Veränderung der Konzentration im Vergleich zwischen vor und nach der Behandlung Aussagen über den Verlauf zu. So kann beispielsweise ein erneutes Ansteigen der Konzentration auf einen Rückfall oder neue Metastasen hinweisen.

Des Weiteren wird auch ein Ultraschall des Bauches durchgeführt. Dies wird gemacht, da sich in der Leber häufig Metastasen finden. Ebenso wird die Lunge geröntgt, um Metastasen auszuschließen. Unter Umständen können zusätzlich noch eine Computertomographie oder andere bildgebende Verfahren notwendig sein.

Für die Diagnose einer Krebserkrankung im Mastdarm werden zusätzlich noch andere Untersuchungen durchgeführt. Bei der starren Rektoskopie wird ein etwa zwei Zentimeter dickes und 20-30 cm langes Rohr in den Mastdarm eingeführt und dieser wie bei der Darmspiegelung mittels Kamera untersucht.

Diese Untersuchung ermöglicht es den genauen Ort des Geschwürs zu bestimmen. Man misst den Abstand des Tumors von der Stelle, an der die Darmschleimhaut in die äußere Haut des Afters übergeht. Dies ist für die weitere Behandlung von Bedeutung. Es handelt sich um ein Rektumkarzinom, wenn der untere Rand des Tumors nicht mehr als 16 cm von dieser Grenze entfernt ist. Zusätzlich sollte bei Verdacht auf ein Rektumkarzinom eine Magnetresonanztomographie durchgeführt werden um zu sehen, wie tief der Tumor in die Darmwand eingedrungen ist.

Diese Untersuchungen dienen letztlich dazu, eine Art „Steckbrief“ des Tumors zu erstellen. Man nennt diesen auch Tumor-Klassifikation. Diese gibt es bei allen Tumorarten in Form der TNM-Klassifikation. Beim Darmkrebs gibt es zudem die sogenannte UICC-Klassifikation.

Tumor-Klassifikation

TNM-Klassifikation

Bei der TNM-Klassifikation steht T für Tumor, N für Nodus (Lymphknoten) und M für Metastasen (Tochtergeschwüre). Die Buchstaben werden um Zahlen ergänzt. T bezieht sich darauf, wie tief der Tumor in das umliegende Gewebe eingewachsen ist. N gibt an, ob umliegende oder auch weiter entfernte Lymphknoten betroffen sind. Die Zahl hinter M gibt an, ob und wo es Metastasen gibt. So bedeutet beispielsweise T2N1M0: Der Tumor ist bis in die Muskulatur der Darmwand eingewachsen, es sind einer bis drei benachbarte Lymphknoten befallen und es gibt bisher keine Fernmetastasen.

Vier Stadien

Die UICC-Klassifikation unterscheidet vier Stadien (zum Teil mit mehreren Unterstadien). Stadium I bedeutet, dass der Tumor nicht sehr weit in das Gewebe vorgedrungen ist und dass bisher keine Lymphknoten befallen oder Metastasen gefunden wurden. Im Stadium II hat der Tumor die äußere Schicht der Darmwand erreicht, aber noch nicht in Lymphknoten oder andere Organe gestreut. In Stadium III sind bereits Lymphknoten befallen aber noch keine Metastasen entstanden. In Stadium IV ist die Erkrankung am weitesten fortgeschritten und es sind neben Lymphknoten auch schon andere Organe betroffen. Feststellen lassen sich diese Parameter oft erst im Laufe der Behandlung, beispielsweise durch die mikroskopische Untersuchung von entnommenem Gewebe. Je nach Tumorstadium sind die weiteren Vorgehensweisen unterschiedlich.

Bestehen bisher keine oder operativ entfernbare Fernmetastasen, ist das Ziel der Behandlung die Heilung. In anderen Fällen ist die Erkrankung bereits so weit fortgeschritten, dass eine gänzliche Heilung unwahrscheinlich ist. In diesen Fällen findet eine sogenannte palliative Behandlung statt.

Ziel ist hierbei, möglichst die Symptome zu lindern und die verbleibende Lebenszeit so angenehm wie möglich zu gestalten. Je nach Stadium der Erkrankung und Zustand des Patienten besteht die Behandlung von Darmkrebs aus einer Operation und/oder einer Chemotherapie, die durch eine Strahlentherapie ergänzt werden kann.

Metastasen

Darmkrebs kann auch Tochtergeschwüre (Metastasen) bilden (UICC-Stadium IV). Diese treten gehäuft in Lunge und Leber auf. Sie können zum Teil operativ entfernt werden. In anderen Fällen ist zunächst nur eine Behandlung mit Chemotherapeutika möglich. Ziel ist hierbei eine Verkleinerung der Metastasen. Lebermetastasen können außerdem auch mit anderen Verfahren behandelt werden. So kann beispielsweise die Radiofrequenzablation angewendet werden. Hierbei wird eine Sonde, die große Hitze produziert, durch die Haut in der Metastase platziert. So soll die Metastase zerstört werden. Etwa 3-5 von 10 Patienten, deren Metastasen komplett entfernt werden konnten, überleben die Operation um fünf Jahre.

Selbst wenn Metastasen weder operativ, noch durch andere Methoden und auch nach Chemotherapie nicht entfernt werden können, profitieren viele Patienten im Endstadium der Krankheit durch eine Chemotherapie. Diese Behandlung führt im Schnitt zu einer Verlängerung der Lebenszeit um 18-24 Monate.

Neben der Chemotherapie ist zur Behandlung von fortgeschrittenem Darmkrebs eine Behandlung mit Antikörpern eine weitere Therapieoption. Antikörper greifen bestimmte Strukturen der Krebszellen an. Der z.B. bei Darmkrebs eingesetzte Wirkstoff Bevacizumab hindert das Wachstum von Blutgefäßen, die der Tumor für sein Wachstum braucht. So kann das Tumorwachstum verlangsamt werden.

Alternative Heilmethoden und pflanzliche Mittel werden von den Fachgesellschaften, wie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten oder der Deutschen Krebsgesellschaft e.V., nicht empfohlen. Einzelne amerikanische Studien weisen jedoch auf eine Wirksamkeit von in Cannabis enthaltenen Stoffen hin. Für andere alternative Behandlungsmethoden und Stoffe existieren keine gesicherten Nachweise über deren Wirksamkeit.

Weitere Behandlungsmöglichkeiten

Behandlung Kolonkarzinom

In den Stadien UICC I-III erfolgt beim Krebs des Grimmdarms in der Regel eine Operation mit dem Ziel der Heilung. Im Rahmen dieser Operation wird der vom Tumor betroffene Teil des Darms entfernt. Zusätzlich werden auch die umliegenden Lymphbahnen und Lymphknoten sowie die Gefäße, die diesen Darmabschnitt versorgen, entfernt.

Dies kann entweder über einen großen Bauchschnitt oder mehrere kleinere Schnitte erfolgen. Man spricht dann von einer Schlüsselloch-Operation. Welche Form des Zugangs gewählt wird, hängt vom Ort und Größe des Tumors aber auch von Können und Erfahrung des Operateurs ab.

Meist wird ein weit größerer Teil des Grimmdarms entfernt, als tatsächlich direkt vom Krebs betroffen ist. Üblich ist eine Entfernung ganzer Abschnitte des Kolons. Die gesunden Enden des Darms werden anschließend miteinander verbunden, damit wieder eine fortlaufende Struktur entsteht und die Ausscheidung verdauter Nahrung ermöglicht wird.

In seltenen Fällen kann es nötig sein, einen künstlichen Darmausgang zu legen. Nach der Operation lässt sich anhand des entnommenen Gewebes mikroskopisch bestimmen, ob der Tumor vollständig entfernt werden konnte, oder ob Teile des Tumors verblieben sind.

In manchen Fällen ist nach der Operation, auch wenn hierbei der Tumor komplett entfernt werden konnte, eine zusätzliche Chemotherapie ratsam. Man spricht dann von einer adjuvanten Therapie. Empfohlen wird sie vor allem für Patienten mit UICC-III Stadium. Im Rahmen einer Chemotherapie werden Medikamente verabreicht, die das Tumorwachstum hemmen sollen, sogenannte Zytostatika. Da diese Stoffe nicht gezielt den Tumor sondern auch andere, gesunde Körperzellen angreifen, kann es zu starken Nebenwirkungen kommen. Die Medikamente werden etwa über ein halbes Jahr, verteilt auf mehrere Zyklen, verabreicht.

Behandlung Rektumkarzinom

Wesentlicher Bestandteil der Behandlung von Rektumkarzinomen ist die Operation. Diese ist mitunter komplizierter als die Entfernung von Teilen des Grimmdarms. Denn der Mastdarm liegt nahe am Beckenboden mit seinen Organen und Gefäßen. Es besteht die Gefahr, Nerven zu verletzen, was zu Störungen der Blase und/oder der Sexualfunktion führen kann; der Schließmuskel soll wenn möglich, erhalten werden. Gelingt dies nicht, ist die Anlage eines künstlichen Darmausgangs, eines sogenannten "Stomas" (oder Anus praeter), notwendig. Hierbei wird das Ende des Darms durch die Bauchdecke nach außen geführt und hier durch Naht fixiert. Die Stuhlausscheidung erfolgt dann über diese Öffnung in spezielle Beutel.

Fehlen durch die Operation bei intaktem Schließmuskel große Abschnitte des Enddarms, kann aus gesunden Darmabschnitten eine Art Beutel oder Reservoir ("Pouch") gebildet werden, der als Ersatz für den entnommenen Abschnittes des Enddarms dient.

Künstlicher Darmausgang

Oft kann bereits vor der Operation abgesehen werden, ob ein künstlicher Darmausgang nötig wird. Dieser kann vorübergehend aber auch dauerhaft angelegt werden. Unmittelbar nach der Operation kümmern sich Pflegekräfte und spezielle Stoma-Therapeuten um den künstlichen Darmausgang. Das Ziel ist, die Betroffenen möglichst schnell zu befähigen, ihr Stoma selbst zu versorgen (Reinigung, Beutelwechsel, -entleerung). Über dem Darmausgang wird auf der Bauchdecke ein etwa handtellergroßer Plastikbeutel angebracht.

In diesen entleert sich dann der Darminhalt. Je nachdem, wie viel und welche Anteile des Darms entfernt wurden, mündet entweder der Dünn- oder der Dickdarm als künstlicher Darmausgang im Bauchdeckenniveau. Somit unterscheiden sich auch Häufigkeit und Konsistenz der Entleerungen. Nach Erlernen des Umgangs mit dem künstlichen Darmausgang sind prinzipiell ein normaler Arbeits- und Freizeitalltag möglich.

Für die Behandlung von Rektumkarzinomen der Stadien UICC-II und UICC-III wird empfohlen, vor der Operation eine Strahlen- und eine Chemotherapie durchzuführen. Diese soll zu einer Verkleinerung des Tumors führen, was zum Beispiel dabei helfen kann, den Schließmuskel zu erhalten. Man spricht bei dieser Behandlung von einer neoadjuvanten Chemotherapie. Diese kann auch dabei helfen, das Risiko für ein erneutes Auftreten des Krebses (Rezidiv) nach der Behandlung zu verringern.

Ebenfalls kann eine ergänzende (adjuvante) Strahlen- und Chemotherapie (Radiochemotherapie) oder alleinige Chemotherapie nach der Operation durchgeführt werden. Sowohl Radio- als auch Chemotherapie gehen mit Risiken und Nebenwirkungen einher. Ob und in welcher Form diese Behandlungen durchgeführt werden, hängt vom Stadium der Erkrankung ab.

Das Vorgehen wird häufig in sogenannten Tumorkonferenzen geplant. Hier besprechen sich die an Diagnostik und Therapie beteiligten Ärzte und arbeiten einen Behandlungsplan für den Patienten aus. Während bei der Chemotherapie Medikamente eingesetzt werden, die das Zellwachstum hindern, nutzt man für die Strahlentherapie Strahlung, die der Röntgenstrahlung ähnlich ist. Ziel hierbei ist es, durch die Strahlung die Erbsubstanz der Zellen zu zerstören und sie somit an der Vermehrung zu hindern. Hierdurch kann der Tumor verkleinert werden.
 
Allgemein gilt beim kolorektalem Karzinom: Auch nach der Behandlung werden Sie im Rahmen der Nachsorge betreut. Diese beinhaltet beispielsweise Rehabilitationsmaßnahmen, aber auch Untersuchungen, um eine mögliche Rückkehr der Krankheit (Rezidiv) frühzeitig zu erkennen.

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