Schließen
> Mediathek > PflegeTIPP > Gewalt gegen alte Menschen

PflegeTIPP

Die Pflege zuhause wird häufig für pflegende Angehörige zur Zerreißprobe. Wenn die Nerven blank liegen, kann es mal zu einem beherzteren Zupacken kommen. Jedoch Vorsicht! Spricht man hier schon von Gewalt?

Die Pflege zuhause

Plötzlich ist alles anders

Was für ein Glück, wenn ältere Familienmitglieder bis ins hohe Alter körperlich und geistig fit bleiben! Wenn sie selbständig ihre täglichen Aufgaben erledigen können. Wer wünscht sich das nicht?

Aber was, wenn solche Familienmitglieder gebrechlich werden oder sogar schwer erkranken?

Die Angehörigen entscheiden dann oft, die geliebte Person zuhause zu versorgen.

So war es bei Martina und ihrem Vater…

So war es auch bei Martina: Mit zunehmendem Alter wurde ihr Vater Rolf immer gebrechlicher und als er dann noch einen Schlaganfall erlitten hatte, war für Martina klar, dass sie ihn zu sich holen und die Betreuung übernehmen würde.

Endlich hatte sie die Gelegenheit, Rolf etwas von der Fürsorge und Großzügigkeit zurück zu geben, die Martina als Kind selbst von ihrem Vater erfahren hatte.
  
Plötzlich war Martina rund um die Uhr im Einsatz...
 
... und stellte schnell fest, dass sie ihre eigenen Interessen komplett zurückstellen musste.

Sie ging nicht mehr mit ihren Freundinnen spazieren oder einkaufen, auch auf ihre geliebten Tanzstunden musste Martina verzichten.  

Martina fühlte sich von der vielen Arbeit ausgebrannt. Sie begann, Rolf für ihre zunehmende Isolation verantwortlich zu machen.
 
Ohne es so richtig zu bemerken, gab sie sich in den folgenden Wochen immer weniger Mühe mit Rolf.
 
Kennen Sie auch Personen, denen es so geht wie Martina oder erkennen Sie sich selbst wieder?

Gewalt im Pflegealltag?

Wir beraten und unterstützen Sie!

In unserem PflegeTIPP zeigen wir Ihnen, wo Sie als Betroffene fundierte Informationen zum Thema finden, wie Sie Unterstützung bekommen und Warnsignale früh erkennen.

schon GEWUSST? | Pflegewelt von AXA
Formen der Gewalt gehören offenbar leider zum Pflegealltag in Altenheimen, Kliniken und Einrichtungen der ambulanten Pflege. Das geht aus einer Studie des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung hervor. Jeder dritte Befragte gab darin an, Maßnahmen gegen den Willen von Pflegebedürftigen seien alltäglich.

Die Schwelle zwischen Konflikt und Gewalt

Die Schwelle zwischen einem einfachen Konflikt mit der betreuten Person und der Anwendung von Gewalt ist in Stresssituationen schnell überschritten. Manchmal kommen lange bestehende innerfamiliäre Konflikte hinzu.
  
Die Altersheilkunde unterscheidet viele Arten der Gewalt. Wenn die Benutzung von Inkontinenz-Materialien zum Beispiel nicht nötig wäre oder Beruhigungsmittel ohne Indikation verabreicht werden, gelten diese Handlungen als Gewaltanwendung.

Lassen Sie es nicht soweit kommen!

Lassen Sie es nicht so weit kommen! Informieren Sie sich schnellstmöglich über das Thema, wenn Sie oder jemand aus Ihrem Umfeld betroffen ist.
 
Einen ersten guten Überblick erhalten Sie im Internet.

Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP)

Das ZQP befasst sich auch mit Fragen zur Gewalt in der Pflege und stellt einen Themenreport zum Download bereit. Sie finden einen persönlichen Notfallplan für pflegende Angehörige sowie eine bundesweite Adressenliste zum Thema „Gewalt und Aggression in der Pflege“.

Unser Infoblatt: Gewalt gegen alte Menschen

Weitere umfangreiche Inhalte zum Thema hält unser Infoblatt für Sie bereit. In diesem haben wir Ihnen wichtige Links zusammengestellt.

Möglichkeiten der Unterstützung wahrnehmen!

Sie sind nicht alleine​

Aus Scham oder falschem Ehrgeiz isolieren sich pflegende Familienangehörige oft und bleiben mit ihrer Überforderung und einer mangelnden Kenntnis der Krankheit alleine.
 

Wenden Sie sich an Beratungsstellen | Pflegewelt von AXA

Suchen Sie sich aktiv einen Stützpunkt der Pflegeberatung und gehen Sie hin oder rufen Sie dort an.
 
Pflegestützpunkte sind zentrale Anlaufstellen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. Es besteht ein Rechtsanspruch auf kostenlose Pflegeberatung.
 
Mögliche Hilfen umfassen die Beantragung einer Ersatzpflege für bis zu sechs Wochen – zum Beispiel, wenn Sie als betreuende Person Erholungsurlaub brauchen.
 
Sie können aber auch sogenannte Pflegehilfsmittel beantragen – etwa, um Teile Ihres Haushalts barrierefrei umzubauen. Oder ambulante Pflegedienste in Anspruch nehmen. In der Regel tragen die Pflegekassen die Kosten.
 
Lassen Sie sich helfen!

Achten Sie auf sich selbst

Nehmen Sie sich Auszeiten!​

Eine Pflegesituation verlangt dem betreuenden Familienmitglied viel ab. Wer seine eigenen Bedürfnisse und Interessen zu stark vernachlässigt, brennt schnell aus.
 
Achten Sie auf Ausgleich! Besonders wichtig ist es, im Alltag immer wieder Entspannungsmomente zu finden. Sportliche Aktivitäten wie Spaziergänge, Joggen, oder gymnastische Übungen wirken ausgleichend auf Ihre Stimmung und stärken Herz und Kreislauf.
 
Suchen Sie Menschen, die sich in ähnlichen Situationen befinden. Tauschen Sie sich in Selbsthilfe- und Angehörigengruppen aus! Lernen Sie meditative Entspannungsmethoden wie Autogenes Training.

Stress im Alltag?

Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihren Stress reduzieren und führen Ihnen verschiedene Entspannungsmethoden auf.

Warnsignale erkennen!

Die Belastung für Körper und Psyche

Selbst, wenn Sie alle bisherigen Tipps befolgen, sich Unterstützung holen und auf sich selbst achten, kann es sein, dass die körperlich-psychische Belastung in einer Pflegesituation unaufhörlich steigt.
 
Achten Sie genau auf eindeutige Warnsignale und holen Sie sich schnell Hilfe, wenn diese Signale auftreten:

  • Das Gefühl, dass Ihnen alles zu viel ist.
  • Innere Leere und das Gefühl, wertlos zu sein. Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit.
  • Gereiztheit und Wut über Ihre nachlassende Belastbarkeit. Wenn Sie über zu hohe Erwartungen des Pflegebedürftigen klagen.
  • Wenn Sie immer stärkeren Ekel bei der Pflege empfinden.
  • Wenn Ihre Gedanken sich im Kreis drehen und Sie unter Konzentrationsproblemen leiden.
  • Bei Schlafstörungen und körperlichen Problemen, wie Bluthochdruck oder Kopfschmerzen.

Schlafstörungen

Sie leiden unter Schlafstörungen? Dann setzen Sie dem ein Ende, mit unseren umfangreichen Tipps für eine bessere Schlafhygiene.

Bluthochdruck

Tritt Bluthochdruck auf, können dafür unterschiedliche Gründe vorliegen. Fatal ist jedoch, dass die meisten Anzeichen nicht richtig erkannt werden. Die Pflegewelt führt Ihnen alle wichtigen Symptome auf.

Die eigenen Grenzen kennen

Die meisten Pflegenden wissen, wann sie eine Grenze überschritten haben: Wenn sie die pflegebedürftige Person zum Beispiel zu hart angefasst oder sie verbal verletzt haben.
   
Viele schwören sich dann, dass das nie wieder vorkommen soll. Doch wenn die Grenze einmal überschritten ist, ruft diese Situation dringend nach externer Beratung und Hilfe.

ZQP - Krisentelefon

Sie befinden sich in einer akuten Notsituation?
Unter dem eingeblendeten Link erfahren Sie, wo Sie sofort Hilfe finden können und welches Krisentelefon aktuell verfügbar ist.

Deeskalation erfolgreich praktizieren

8 goldene Regeln

Leider wird viel zu oft übersehen, welchen Anteil die pflegende Person selbst an einer problematischen Situation hat. Deswegen wollen wir Ihnen in unserem PflegeTIPP die goldenen Regeln der Deeskalation zeigen:
 

1. Problematische Situationen vermeiden
Lassen Sie problematische Situationen gar nicht erst entstehen. Je eher Sie sich negative Gefühle wie Gereiztheit oder Ekel eingestehen, desto schneller können Sie reagieren!
 
2. Sicherheit geht vor
Denken Sie an Ihre eigene Sicherheit! Wenn Sie eine Pflege übernehmen, wird das Veränderungen mit sich bringen. Prüfen Sie genau, ob Sie die Daueranstrengung meistern können und holen Sie sich Hilfe!
 
3. Ruhig und überlegt handeln
Handeln Sie ruhig und überlegt. Verlassen Sie in problematischen Situationen für eine kurze Zeit den Raum, um sich zu sammeln.
 
4. Körpersprache beachten
Achten Sie auf Ihre Mimik und Gestik. Es gibt Körperhaltungen, die bedrohlich wirken. Halten Sie also Abstand und vermeiden Sie hektische Bewegungen. Je tiefer Ihre Stimme, desto beruhigender wirkt sie.

5. Toleranz bewahren
Geben Sie der pflegebedürftigen Person nicht das Gefühl, dass Sie sie kontrollieren oder beherrschen wollen. Strahlen Sie Sicherheit und Toleranz aus und vermeiden Sie Appelle.
 
6. In der Ruhe liegt die Kraft
Lassen Sie sich nicht provozieren. Ignorieren Sie Kritik und Beschimpfungen und nehmen Sie sie nicht persönlich.
 
7. Bedürfnisse ernstnehmen
Vermeiden Sie Vorwürfe oder Drohungen. Nehmen Sie die Gefühle des Pflegebedürftigen ernst. Gehen Sie auf seine Argumente ein und spielen Sie seine Not nicht herunter.
 
8. Wertschätzender Umgang
Nehmen Sie eine wertschätzende Haltung ein. Wenn Sie sich Zeit nehmen, eine neue Frage erst zu stellen, wenn die vorangegangene beantwortet ist, zeigen Sie Interesse und regen den älteren Menschen zum Nachdenken an.

Unser Fazit

Hilfe annehmen​

Nehmen Sie sich Zeit, eine anstehende Pflegesituation im Vorhinein gut zu durchdenken. Informieren Sie sich eingehend über das Thema. Können Sie solch eine anhaltende Dauerbelastung aushalten? Oder gibt es alternative Lösungen?
 
Suchen Sie sich einen Pflegestützpunkt und beantragen Sie Hilfe! Achten Sie auf sich selbst, sorgen Sie für Entspannung und Entlastung.
 
Lassen Sie es gar nicht erst zu problematischen Situationen kommen: Achten Sie auf Warnsignale und rufen Sie eine der vielen Notrufnummern für Pflegende an, wenn Sie überfordert sind. 
 
Beachten Sie unsere Goldenen Regeln der Deeskalation.

Diese Videos könnten Sie auch interessieren

Schmerzen

Chronische Schmerzen können das Leben zur Qual machen.

Gedächtnistraining

Mit der Zeit verliert unser Gedächtnis seine Leistungsfähigkeit.

Dekubitusprophylaxe

Andauernde Druckbelastungen schädigen die Haut.

Empfehlen:

© AXA Konzern AG, Köln. Alle Rechte vorbehalten.