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PflegeTIPP

Für den Erfolg einer Behandlung ist es entscheidend, dass der Patient seine Medikamente entsprechend der ärztlichen Verordnung einnimmt. Erfahren Sie mehr zum Thema Therapietreue, auch Compliance genannt.

Richtige Medikamenteneinnahme

Heilung unterstützen

Unter Ärzten ein vielfach diskutiertes Thema: Compliance. Compliance bezeichnet die Therapietreue im Rahmen einer Behandlung. Gemeint ist die richtige Einnahme von Medikamenten. Denn nur wenn der Patient die ihm verschriebenen Arzneimittel entsprechend der ärztlichen Anweisung einnimmt, kann sich auch ein Behandlungserfolg einstellen. Doch hier liegt meist das Problem.

Überforderte Patienten

Viele Patienten wissen nicht, wie sie das verordnete Medikament einnehmen sollen, vor, nach oder zu den Mahlzeiten. Manche nehmen gleich eine Vielzahl von Arzneimitteln und wissen nicht einmal genau, was wogegen oder wofür helfen soll. Patienten verstehen die Wirkungsweise des Medikaments nicht, fühlen sich verunsichert oder haben Angst vor eventuellen Nebenwirkungen.

Ein weiteres Problem: Treten ungewünschte Nebenwirkungen tatsächlich auf, brechen Patienten die Therapie zu früh ab, häufig ohne erneut den behandelnden Arzt aufzusuchen. Dieses Verhalten ist vor allem verheerend bei Erkrankungen, die zunächst keine Symptome verursachen, wie beispielsweise Diabetes.

Rat vom Mediziner

Allgemeinmediziner Prof. Dr. Michael Willems gibt Hilfestellung bei Fragen rund um das Thema „Richtige Medikamenteneinnahme“ sowie praktische Tipps und Empfehlungen, damit eine medikamentöse Behandlung auch zum gewünschten Erfolg führt!

Medikamenteneinnahme

Die richtige Einnahme ist entscheidend

Ist man krank, können sie helfen – Medikamente.

Damit eine  medikamentöse Behandlung zum gewünschten Erfolg führt, ist es wichtig, dass die Arzneimittel richtig angewendet werden. Neben der korrekten Dosierung ist außerdem eine angemessene und aktive Haltung des Patienten gegenüber therapeutischen Zielen ausschlaggebend.

Erfahrungen der Ärzte zeigen aber, dass diese Kooperationsbereitschaft nicht immer gegeben ist.
Vielfach nehmen Patienten ihre Medikamente entweder gar nicht oder nicht zur vorgeschriebenen Zeit ein. Sie halten sich nicht an die angeordnete Dosierung oder beenden die Therapie vorzeitig.

Weil so ein Fehlverhalten schwerwiegende Folgen haben kann, gilt es, die Gründe für eine sogenannte „Therapieuntreue“ zu ermitteln.

 

Ein Grund kann beispielsweise die Darreichungsform sein. Vor allem ältere Menschen haben vielfach Probleme mit der Verpackung. Die Hände sind steif oder es fehlt an Kraft.

Die Tabletten lassen sich nicht gut aus dem Blister drücken, Schraubverschlüsse nur schwer öffnen. Des Weiteren kommt hinzu, dass manche Präparate geteilt werden müssen oder sich zum Verwechseln ähnlich sehen.

Unser Tipp: Lassen Sie sich die erforderlichen Tabletten von einem Angehörigen vorportionieren. Zur Aufbewahrung gibt es praktische Tablettenboxen mit Tageseinsätzen. Manche verfügen zusätzlich über einen Alarm, der Sie dann akustisch an die Einnahme Ihrer Medikamente erinnert.

Tabletten richtig dosieren

Müssen Tabletten geteilt werden, gibt es verschiedene Tricks:

„Um Tabletten richtig zu teilen, sollte man mehrere Dinge beachten: Zum einen sollte man schauen, ob die Tabletten überhaupt teilbar sind. Das kann man entweder im Beipackzettel nachschlagen oder direkt in der Apotheke vor Ort den Apotheker fragen. Wenn es möglich ist, sollte man schauen: Kriegt man das mit der Hand hin? Lassen sie sich mit den Fingern ganz leicht teilen? Wenn die Tabletten zu klein sein sollten, kann man einen Tablettenteiler zum Beispiel auch zur Hilfe nehmen.“

Desweiteren gilt: „Generell würde ich Tabletten nie mit dem Messer teilen, weil ich bekomme meistens zwei ungleich große Tablettenstücke und wenn ich jetzt zum Beispiel morgens eine halbe Tablette einnehmen muss und abends, habe ich das Problem, dass ich zum Beispiel morgens mehr Wirkstoff zu mir nehme als gewollt und abends zu wenig.“

Und: „Kapseln sollten nicht geteilt werden, weil die Kapselhülle die Inhaltsstoffe vor der Magensäure schützt. Wenn wir diese Schutzhülle nicht haben, zerstört die Magensäure die Inhaltsstoffe. Die Inhaltsstoffe sollen ja in den Darm gelangen, um dort dann über die Darmwand aufgenommen zu werden vom Körper, um dort dann ihre Wirkung zu entfalten.“

Weiß der Patient nicht, wie er sein Medikament einnehmen soll, kommt es vor, dass er es lieber gar nicht nimmt, bevor er es falsch verwendet.

   

„Wenn Sie sich unsicher bei der Einnahme Ihres Medikamentes sind, fragen Sie am besten direkt vor Ort in der Apotheke nach, ob auf dem Rezept die richtige Dosierung vermerkt ist. Ansonsten können Sie auch gerne den Apotheker fragen. Der kann nachschauen, ob es eine Standarddosierung für das Medikament gibt. Wenn Sie Zuhause nicht wissen, wie Sie das Medikament richtig einnehmen, können Sie die Standarddosierung im Beipackzettel nachlesen.“
 

Es gibt verschiedene Tricks, um Tabletten richtig zu zerteilen.

Gezielt informieren

Zusätzlich besteht das Problem, dass manche Präparate nicht zusammen mit bestimmten Lebensmitteln eingenommen werden sollten.

„Denn zum Beispiel Alkohol, Milch, Grapefruitsaft oder Kaffee können die Wirkung von Arzneistoffen hemmen.“

Eine der häufigsten Ursachen ist das Unverständnis beim Patienten, warum er ein Medikament überhaupt nehmen muss. Die Einsicht fehlt meist dann, wenn der Betroffene keine Symptome oder Anzeichen einer Erkrankung verspürt.

  

„Wenn der Patient bei dem ersten Gespräch mit dem Arzt nicht so recht verstanden hat, warum die Notwendigkeit vorliegt, diese Therapie durchzuführen, dann sollte er einfach ein zweites Mal den Arzt aufsuchen und nachfragen. Denn das Verständnis des Patienten für die notwendige Behandlung ist von ganz großer Bedeutung und letztlich eigentlich auch die Garantie dafür, dass die Therapie erfolgreich durchgeführt wird. Dazu müssen einfach dann vielleicht mehrere Gespräche erfolgen, aber das ist im Interesse der Sache und gesundheitsdienlich und da darf der Patient auch ein bisschen nachhaken und nachhaltig sein.“

Nebenwirkungen vermeiden

Aber auch Eigeninitiative ist gefragt: Im Internet bekommen Sie in Gesundheitsportalen zu vielen Erkrankungen und Therapieformen ausführliche Informationen.

Verursacht das verschriebene Mittel Nebenwirkungen (wie z.B. Schwindel) oder zeigt vielleicht nicht die erhoffte Wirkung, kann das schnell zu Enttäuschung oder Frust führen.

„Nebenwirkungen müssen heute bei den uns zu Verfügung stehenden Arzneimitteln nicht mehr sein. Im Falle, dass aber dennoch Begleiterscheinungen auftreten, die ich im Zusammenhang sehe mit der neu aufgenommenen Medikation, dann sollte zunächst Klarheit darüber sein, ob das auch in der Tat die Ursache ist. Das gehört in die Hand und in das Gespräch mit dem Arzt. Der Arzt kann das erkennen, ob dieses Arzneimittel diese Nebenwirkungen, die ich wahrgenommen habe, verursacht. In der Regel kann man dann durch einen Präperatwechsel oder eine Dosisänderung diese Nebenwirkungen beseitigen.“

Behandlungszeitraum einhalten

Aber auch eine Verbesserung der Symptome kann zum frühzeitigen Therapieabbruch führen.

„Von besonderer Bedeutung ist das korrekte Einhalten des Behandlungszeitraums. Wenn eine Behandlung vorgesehen ist für drei Tage, sieben Tage oder einen anderen Zeitraum, dann sollte die Behandlung auch exakt daran orientiert werden. Vorzeitiges Abbrechen einer Behandlung - selbst dann, wenn ich mich wieder wohl fühle - kann zu erheblichen Problemen führen. Deswegen mein klarer Appell: Vorgesehene Behandlungszeiträume bitte unbedingt beachten und einhalten!“
Arzneimittel sollen Symptome lindern und zu einer raschen Genesung führen. Wie gesehen, ist für den Erfolg einer Behandlung nicht nur der behandelnde Arzt verantwortlich. Auch die eigene Mithilfe und Kooperationsbereitschaft ist ausschlaggebend.

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