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PflegeTIPP

Vor allem chronische Schmerzen, die entweder andauern oder immer wiederkehren, machen den Betroffenen schwer zu schaffen. Aber was kann man gegen Schmerzen tun?

Schmerzen

Jeder ist betroffen

Schmerzen – jeder von uns hat sie schon mal gespürt. Dabei können Schmerzen auf ganz verschiedene Arten auftreten. Ein Schnitt in den Finger schmerzt anders als ein Hexenschuss.

Im leichten Fall sind sie nur unangenehm, in schweren Fällen beeinträchtigen sie unter Umständen sogar das ganze Leben.
Schmerzen lassen sich kategorisieren. Tritt man in einen Splitter oder stößt sich an der Bettkante, ist der Schmerz meist nur kurz und verschwindet bald wieder.

Wenn der Schmerz chronisch wird

Bleibt der akute Schmerz nach Abklingen der Verletzung aber weiterhin bestehen, obwohl der „Defekt“ auskuriert ist, spricht man von chronischen Schmerzen.

Chronische Schmerzen bestehen ohne tatsächlichen Auslöser. Dieser Dauerschmerz ist für den Betroffenen sehr belastend und hat in den meisten Fällen Auswirkungen auf die Psyche und den Gemütszustand.

  

Doch ab wann wird ein akuter Schmerz zu einem chronischen Schmerz und wie können diese behandelt werden?

In diesem PflegeTIPP erklären wir verschiedene Schmerztypen und zeigen Ihnen, was Sie selbst dafür tun können, damit akute Schmerzen gar nicht erst chronisch werden. Außerdem geht unser Experte auf den Umgang mit Schmerzen bei Menschen, die nicht in der Lage sind, ihre Empfindungen selbst zu äußern, ein.

Schmerzen aktiv behandeln

Schmerz als Warnhinweis

Sie brennen wie Feuer oder stechen wie ein Messer, lassen einen nicht zur Ruhe kommen: Schmerzen – so unterschiedlich in ihren Erscheinungsformen wie die Menschen selbst, die von ihnen betroffen sind.

Der akute Schmerz dient uns vor allem als Warnsystem bei Gefahr. Er schützt uns vor Verletzungen. Chronische Schmerzen hingegen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie - obwohl die Verletzung bereits ausgeheilt ist - kontinuierlich weiter anhalten oder immer wiederkehren.

Gehen Sie rechtzeitig zum Arzt

Einmal falsch zugepackt und schon ist es passiert. Der Rücken schmerzt, die Bewegung ist eingeschränkt.

Aber was ist zu tun, wenn die Schmerzen einfach nicht mehr nachlassen, auch nach einem längeren Zeitraum nicht?

„Was kann man gegen chronischen Schmerz tun? Nun, am besten ist es, wenn man verhindert, dass er überhaupt chronisch wird, der Schmerz. Das ist jetzt etwas, wo man als Betroffener selbst aktiv werden kann. Wenn man das Gefühl hat, jetzt dauert der Schmerz länger, als ich erwartet hätte, ist das genau der richtige Zeitpunkt, wo man eigentlich zum Arzt gehen sollte.

  

Und zwar zum Hausarzt oder zu dem Arzt, bei dem man vorher in Behandlung war und einfach nachfragt: Ist das jetzt tatsächlich länger, als man das erwarten würde oder soll man jetzt mit Behandlungen ansetzen?“

Denn gerade in diesem Stadium ist es besonders wichtig, „dass Sie selbst sich dann erklären lassen können vom Arzt, welche Mechanismen bei Ihnen im Körper eigentlich ablaufen. Ein besseres Verständnis nimmt einem die Angst und kann auch dazu führen, dass man selbst aktiv seine Behandlung in die Hand nimmt.“

Bewegung ist wichtig

Vor allem bei Verletzungen im Rückenbereich lautet der Tipp: Durchbrechen Sie den Teufelskreis und beginnen Sie frühzeitig mit der Behandlung.

Gibt es keine Besserung und haben sich die Schmerzen über einen längeren Zeitraum doch manifestiert, gilt es diese zu konkretisieren. Hier hilft die Diagnose durch den Spezialisten!

„Der wichtigste Punkt bei der Schmerzdiagnose ist das ärztliche Gespräch, wo man aus dem Krankheitsverlauf schon Hinweise bekommt auf die möglichen Ursachen. Der Arzt kann aus dem Bericht des Patienten sehr viele Informationen entnehmen. Manche Menschen haben mehr als einen Schmerz und dann ist das wichtig, dass man eben halt die verschiedenen Schmerzorte, die man hat, auch darstellt und auch, wenn sich die Schmerzen vielleicht unterschiedlich anfühlen oder vielleicht zu unterschiedlichen Gelegenheiten auftreten, das auch differenziert dem Arzt mitteilt.“

Unser Tipp: Führen Sie ein Schmerztagebuch. Schreiben Sie auf: Wo sitzt der Schmerz? Wann tritt er auf? Wie stark ist er? Praktisches Hilfsmittel: eine visuelle Schmerzskala.

  

Vor allem bei Schmerzen des Bewegungsapparates kostet es die Patienten meist große Überwindung, sich zu bewegen und aktiv zu werden. Dabei zeigt die Erfahrung, dass sich Ruhe und Schonung eher nachteilig auswirken.

Andererseits „verbessert sich der chronische Rückenschmerz durch Übungsprogramme. Das kann man sich sehr einfach vorstellen: Damit unsere Knochen der Wirbelsäule alle am richtigen Ort bleiben, brauchen wir neben den Bändern und Sehnen natürlich vor allem die Muskeln und deswegen sind alle aktiven Trainingsprogramme wichtig und gut und Bettruhe ist zum Beispiel sogar kontraindiziert und verschlechtert die Situation.

Man kann unterscheiden: Ausdauertraining und Krafttraining. Letztlich braucht man für den gesunden Rücken beides und zwar in einem Ausmaß, was sich in Maßen hält. Das, was Leistungssportler als Trainingsprogramm machen, ist sicherlich nicht gesund, aber in Maßen ist Sport etwas Gutes und spielt eine große Rolle in allen Behandlungsprogrammen gegen den Rückenschmerz.“

Weitere Informationen

Unterschätzen Sie Schmerzen nicht und versuchen sie, aktiv die Beschwerden zu lindern.

Dem Schmerz begegnen

Verhaltenstherapie

Schmerzen bereiten Stress, machen Angst sowie depressiv. Deshalb spielt auch die Psyche bei der Behandlung eine große Rolle – vor allem von chronischen Schmerzen. Hier setzt die kognitive Verhaltenstherapie an. Sie geht davon aus, dass die Art und Weise, wie wir denken, gleichzeitig dafür verantwortlich ist, wie wir uns fühlen und verhalten. Ziel dieser Therapie ist es, positive Verhaltensweisen zu verstärken.

Einfaches Beispiel: Sie überwinden sich und treiben Sport. Anschließend belohnen Sie sich mit etwas, dass Ihnen Freude bereitet. Hierin liegt der verhaltenstherapeutische Ansatz dieser Therapie.

Daneben steht der kognitive Ansatz. „In dem Moment, wo man als Betroffener besser versteht, was die Mechanismen hinter dem chronischen Schmerz sind, und dass sie eben anders sind als beim akuten Schmerz nach einer Verletzung, nimmt es die Angst. Das verbessert auch die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden und das wäre sozusagen dieser kognitive Aspekt der kognitiven Verhaltenstherapie.“

Bei dieser Therapieform geht es weniger darum, Schmerzen vollständig zu beseitigen. Ziel ist vielmehr ein verbesserter Umgang mit Schmerzen.

Vorbeugend aktiv werden

Und wie so häufig ist es möglich, bereits vorbeugend aktiv zu werden. Schmerzen müssen nicht chronisch werden. Unser Rat: Fangen Sie heute noch an.

Therapeuten oder Krankengymnasten können Ihnen zeigen, was Sie selbst zuhause tun können, z.B. welche Übungen den Rücken kräftigen. Versuchen Sie überall dort, wo sich die Möglichkeit bietet, Bewegung in Ihren Alltag zu bringen. Lassen Sie doch mal das Auto stehen und gehen Sie zu Fuß.
Und lernen Sie den richtigen Umgang mit schweren Lasten. Rückenfreundliches Heben und Abstellen kann man trainieren.

Fast die Hälfte aller älteren Menschen leidet unter Schmerzen. Das Schlimme daran: sie empfinden Schmerzen häufig als „normal“ oder als zum Alter dazugehörend.

„Das kann aber ein Problem sein, dass eben ältere Menschen über Schmerzen gar nicht so viel berichten und dass sie vielleicht auch gar nicht die Behandlungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen, die es gibt.“

So besteht die Gefahr, eine Erkrankung zu verschleppen. Hier ist Aufklärung gefordert. Schmerzen sind keine zwingende Begleiterscheinung des Alters und müssen erst recht nicht ausgehalten werden.

Umgang mit Demenzkranken

Bei demenzkranken Personen ergibt sich zusätzlich die Schwierigkeit, dass sie sich ihrem Umfeld nicht mitteilen können. Es fehlen die Worte: Sie können nicht äußern, dass etwas weh tut, oder wo es schmerzt. Aber wie können Sie dann feststellen, ob Ihr Gegenüber Schmerzen empfindet?
 

Demenzkranke können sich ihrem Umfeld oft nicht mitteilen.

 

„Das wichtigste ist der Gesichtsausdruck, die Mimik. Damit können wir kommunizieren, welchen Gefühlszustand wir haben, also auch, ob wir Schmerzen leiden oder nicht und das geht bei kleinen Kindern und alten Menschen eben halt auch sehr gut, auch wenn sie nicht mit Worten kommunizieren können.

Darüber hinaus kann man alltägliche Verrichtungen beobachten und es gibt hierfür formalisierte Skalen, die letztlich sogar zu einem Zahlenwert führen, der sozusagen ein indirektes Maß ist für den Schmerz, von dem wir vermuten, dass ihn dieser Mensch hat, der ihn selbst nicht mehr äußern kann.“

Schauen Sie also genau hin. Fragen Sie sich: Schaut der Betroffene ängstlich oder versteinert? Wie ist die Körperhaltung? Angespannt oder gar unruhig? Weint er oder zieht er sich zurück? Hat sich der Schlafrhythmus geändert? Jede Veränderung kann ein Anzeichen für Schmerzen sein.

Also, verkriechen Sie sich nicht und machen Sie früh genug auf Ihre Schmerzen aufmerksam. Suchen Sie Rat und Hilfe, denn das ist der erste Schritt auf einem Weg in eine schmerzfreie Zukunft.

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