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Belastungen

Pflegezeit ist Lebenszeit, auch für den Pflegenden. Schaffen Sie sich einen Ausgleich. Davon profitiert auch der Pflegebedürftige.

Angehörige pflegen belastet

Eine neue Struktur für Alltag und Beruf

Der Vorteil der Pflege zu Hause durch einen Angehörigen besteht darin, dass der Pflegebedürftige in vertrauter Umgebung mit einem nahestehenden Menschen weiterleben kann. Der Pflegebedürftige fühlt sich wohl und sicher, weil ihm alles bekannt vorkommt.

Für Pflegende verändert diese Lebenssituation jedoch meist das ganze Leben. Alltag, Familie und Beruf müssen neu strukturiert werden. Starke Belastungen können die Folge sein.

Gerade bei hohem Betreuungs- und Pflegeaufwand über einen längeren Zeitraum sind Pflegende enormen Belastungen ausgesetzt. Schlafmangel durch nächtlichen Einsatz am Pflegebett, körperliche Erschöpfung durch das Heben und Umbetten der zu Pflegenden, kein Urlaub und kaum Erholungsphasen sowie zwischenmenschliche, seelische Probleme zwischen Pfleger und Angehörigem beinhalten Konfliktpotential.

So können auf den Pflegenden Belastungen körperlicher, materieller, zeitlicher, sozialer und psychischer Art wirken. Diese können einzeln auftreten, sich aber auch gegenseitig bedingen und beeinflussen.

  

Weitere mögliche Probleme: Oft werden die Belastungen, die durch die Pflegetätigkeit entstehen, zu spät erkannt oder gar nicht erst thematisiert.

Eigene gesundheitliche Probleme werden kleingeredet, Stress und Überanstrengung einfach hingenommen.
 

Der Tages-, Wochen-, und Monatsablauf wird durch gezielte Pläne und Aufgaben strukturiert.

Gute Planung für die eigene Gesundheit

Der Eintritt einer Pflegebedürftigkeit kommt häufig unerwartet. Schon in den ersten paar Wochen müssen Dinge organisiert, entschieden und angegangen werden, mit denen sich Angehörige vorher nur selten auseinandergesetzt haben. Plötzlich sind die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege, die Umgestaltung der Wohnung, die Beantragung des Pflegegrades, die Beschaffung von Hilfsmitteln und vieles mehr zu klären.

Ist dieser anfängliche, organisatorische Aufwand erledigt, sollten pflegende Angehörige von Beginn an aufmerksam für Erkrankungen sein, die als Folge einer längeren Pflegezeit eintreten können.

Hier die häufigsten Symptome:

  • Verspannungen, Gelenkbeschwerden und Bandscheibenvorfälle durch falsches Heben und Bewegen der zu pflegenden Person
  • Depressionen, Reizbarkeit, Schlafstörungen und Einsamkeitsgefühle durch seelische Beeinträchtigungen und Überbelastung
  • Familiäre und soziale Probleme durch den Rollentausch im Rahmen der Pflege (z. B. "Tochter wickelt Vater")
  • Erhöhter Blutdruck und verminderte Stressresistenz durch geringe finanzielle Unterstützung und mangelnde Anerkennung der Pflegetätigkeit
  • Soziale Isolation aufgrund von Vernachlässigung von Familie, Freunden und Freizeitaktivitäten

Passender Videobeitrag

Martina Rosenberg hat ihre Eltern selbst gepflegt. Erfahren Sie hier, wie es ihr damit ergangen ist.

"Pflege kann nur gut gehen, wenn es den Pflegenden selbst gut geht."

So entgegnen Sie den Belastungen der Pflege

Eine generelle Lösung gibt es nicht

Hilfs- und Lösungsangebote im Pflegesystem gibt es viele. Da jede Pflegesituation jedoch einzigartig und individuell zu bewerten ist, eignen sich generelle Lösungen und Ratschläge nicht. Vieles hängt davon ab, ob man z. B. berufstätig ist, ob man durch ein soziales Netzwerk Unterstützung erfährt oder ob man konstruktiv mit Stress umgehen kann.

Auch die zwischenmenschliche Beziehung von pflegender und pflegebedürftiger Person, der zeitliche und finanzielle Aufwand für die Pflege sowie die eigene Konstitution sind wichtige Einflussgrößen.

Teilzeitrechner

Reduzieren Sie Ihre Arbeitszeit, um einen Angehörigen zu pflegen?

Hier einige Möglichkeiten, den verschiedenen Anforderungen entgegenzuwirken:​

  • Besuchen Sie Pflegekurse, die beispielsweise von den Pflegekassen angeboten werden. Gerade körperliche Belastungen können so durch richtige Hebe- und Pflegetechniken gemindert werden. So genannte Pflegestützpunkte informieren über Möglichkeiten zur Umgestaltung des häuslichen Umfeldes.

  • Wenn Sie Ihre eigene Berufstätigkeit einschränken oder gar aufgeben müssen, spielen materielle Aspekte eine große Rolle. Finanzielle Leistungen der Pflegeversicherung decken oft nicht alle Ausgaben für die Pflege ab, so dass es zur Belastung oder sogar zum Herabsetzen Ihres gewohnten Lebensstandards führen kann. Um das zu verhindern, hat der Gesetzgeber am 1. Januar 2015 das Familienpflegezeitgesetz (FPfZG) eingeführt. Der pflegende Angehörige kann danach für maximal zwei Jahre seine Arbeitszeit auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren, im Beruf bleiben und seinen Angehörigen selbst pflegen. Sein Arbeitsentgelt wird aufgestockt. Nutzen Sie Beratungsangebote der Pflegestützpunkte, Pflegekassen, Verbraucherzentralen etc. für weitere Informationen.

  • Häusliche Versorgung kann sehr viel Zeit in Anspruch nehmen: Gerade Nacht-, Feiertags- und Wochenpflege geht zulasten der eigenen Erholung. Gesetzlich Versicherte können sich bei den Pflegestützpunkten, privat Versicherte unter http://www.compass-pflegeberatung.de informieren. Weitere Anlaufstellen: Fragen Sie bei Verbraucherzentralen, den Pflegekassen oder den privaten Krankenversicherungen wegen der Tages- und Urlaubspflege bzw. dem Einsatz professioneller ambulanter Pflegedienste nach. Versuchen Sie, Angehörige und Freunde in die Pflege einzubeziehen.

  • Die zeitliche Gebundenheit, die Aufgabe der eigenen Berufstätigkeit oder Hobbys können zur sozialen Isolation führen. Beziehen Sie andere Personen in die Pflege ein und bewahren Sie sich Bereiche wie Hobbys, die Ihnen guttun. Schaffen Sie sich Momente der Erholung und Regeneration. Nutzen Sie professionelle Angebote wie Tagespflege, Betreuungsdienste, ambulante Pflegedienste, um die anfallende Arbeit gleichmäßig auf mehrere Schultern zu verteilen.

  • Psychische Belastungen bei pflegenden Angehörigen können viele Ursachen haben. Das andauernde Bedürfnis, den Wünschen und Bedürfnissen des Betroffenen nachzukommen, gleichzeitig den Anforderungen der Familie und dem Beruf gerecht zu werden, führen auf Dauer zu Stress. Das Zurückstellen der eigenen Bedürfnisse oder auch materielle Einbußen können diesen Druck noch verstärken.
    Beziehen Sie andere Personen in die Belastungen und Probleme der Pflege ein. Ihnen wiederfährt so Akzeptanz für Ihre Bedürfnisse und Verständnis für Überforderungen und Frustrationen. Suchen Sie den Austausch mit anderen Pflegepersonen, z. B. in Pflegekursen. Denken Sie daran, dass Ihre individuellen Ressourcen maßgeblich für die Bewältigung Ihrer Alltagsbelastungen sind.

Manchmal hilft es schon, sich folgende Fragen zu stellen:

  • Wie nehme ich mich selbst wahr?
  • Wie steht es um mein Selbstvertrauen?
  • Wie gehe ich mit Gefühlen um?
  • Wie sieht mein momentaner Lebensstil aus?

Positive Gefühle wie Gelassenheit, Mitgefühl, Empathie und Freude können heilsam sein. Sie fördern den Stressabbau und wirken sich positiv auf Ihr Immunsystem aus.

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