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Berufstätigkeit & Pflege

Pflege und Beruf zu vereinen, erfordert Organisation und Flexibilität. Neue Arbeitszeitmodelle werden diesen hohen Anforderungen gerecht.

Vereinbarkeit von Beruf und Pflege

Ein Pflegesystem im Umbruch

Immer mehr Berufstätige übernehmen Verantwortung für pflegebedürftige Angehörige und leisten damit einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag in Zeiten des demografischen Wandels. Laut der letzten Erhebungen des Statistischen Bundesamtes leben in Deutschland 2,5 Millionen Pflegebedürftige, von denen 70 Prozent zu Hause und 50 Prozent durch berufstätige Angehörige versorgt werden.

Diesen Tatsachen geschuldet ist in den vergangenen Jahren eine öffentliche Diskussion entbrannt, die schon viele Verbesserungen des Pflegesystems initiiert hat.

Passen Sie Ihren Beruf an Ihre Pflegetätigkeiten an und Ihre Pflegetätigkeit an Ihren Beruf.

Pflege gesetzlich geregelt

Verbesserungen in der Pflege wurden vor allem durch das in wesentlichen Teilen 2012 in Kraft getretene Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) angestoßen. Das PNG sieht insbesondere eine deutliche Erhöhung der Leistungen für Demenzerkrankte in der ambulanten Versorgung vor.

Es gewährleistet auch eine Ausweitung der Wahl- und Gestaltungsmöglichkeiten für Pflegebedürftige mit ihren Angehörigen, beispielsweise durch die Einführung von Betreuungsleistungen und die Möglichkeit der Vereinbarung von Zeitkontingenten in der ambulanten Pflege (mehr hierzu unter Familienpflegezeit).

Darüber hinaus wird mit dem PNG die freiwillige private Vorsorge erstmals staatlich gefördert. Durch die Förderung privater Pflege-Zusatzversicherungen lässt sich für den Fall der Pflegebedürftigkeit vorsorgen.

Die Familienpflegezeit

Seit Anfang 2012 gibt es das Familienpflegezeitgesetz. Es ermöglicht, Angehörige zu pflegen und weiterhin erwerbstätig zu sein. So können Beschäftigte, die ein Familienmitglied pflegen, ihre Arbeitszeit über einen Zeitraum von maximal zwei Jahren auf bis zu 15 Stunden Wochenarbeitszeit reduzieren. Vollzeitbeschäftigte erhalten z. B. bei halbierter Arbeitszeit ein Gehalt von 75 Prozent des bisherigen regelmäßigen Bruttoeinkommens. Zum Ausgleich müssen sie im Anschluss an die Pflegephase wieder voll arbeiten, bekommen aber weiterhin nur 75 Prozent des Gehalts für die Zeit, in der sie vorher gepflegt und nur 75 Prozent bekommen haben.

Das Modell setzt an der Praxis von Wertkonten an, die es Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern erlauben, umfangreiche Freistellungsansprüche anzusparen. Durch die Verrechnung von Wertguthaben und Lohn müssen Beschäftigte keine größeren Einkommenseinbußen hinnehmen, der Arbeitgeber hat keine zusätzlichen Kosten und schafft durch Familienfreundlichkeit Wettbewerbsvorteile.

Teilzeitrechner

Reduzieren Sie Ihre Arbeitszeit, um einen Angehörigen zu pflegen?

Der Pflegebedürftigkeitsbegriff neu definiert

Aktuell hat das Bundesministerium für Gesundheit seine Zustimmung für ein neues Verfahren zur Verbesserung der Begutachtung des Pflegebedürftigkeitsbegriffes gegeben. So sollen die Leistungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sowie die Situation für Pflegekräfte schon zum 1. Januar 2015 erheblich optimiert werden.

Statt der bisherigen drei Pflegestufen sollen fünf Pflegegrade dem individuellen Unterstützungsbedarf der Pflegebedürftigen besser gerecht werden. Kurzzeit-, Tages- oder Nachtpflege sollen erleichtert werden.

   

Insgesamt rund fünf Milliarden Euro mehr pro Jahr sollen aus Beitragsanpassungen der Pflegeversicherung generiert werden. Der Beitrag zur Pflegeversicherung steigt 2015 von derzeit 2,05 Prozent (Kinderlose 2,3 Prozent) um 0,3 Punkte. Später soll der Satz um weitere 0,2 Punkte steigen.

Finanziert werden soll damit auch der geplante Versorgungsfonds, der die finanziellen Belastungen durch die Pflegebedürftigkeit der geburtenstarken Jahrgänge ab 2030 abfedern soll.

Arbeitnehmer unter Druck

Trotz der geplanten und z. T. schon umgesetzten Neuregelung des Pflegesystems, bedeutet Beruf und Pflege zu vereinen immer noch ein ständiges Jonglieren zwischen unterschiedlichen Rollen und Aufgaben.

Damit es für Sie gar nicht erst zu einer Überlastung kommt, sollten Sie regelmäßig alle Vierteljahr reflektieren, ob sich Ihre Belastung erhöht hat.

Hat sich z. B. der körperliche Zustand des Pflegebedürftigen verschlechtert, sollten Sie über externe Hilfe nachdenken. Hierfür wenden Sie sich am besten an einen Pflegestützpunkt oder Compass in Ihrer Nähe.

Scheuen Sie sich nicht, in einem offenen Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber auszuloten, welche betrieblichen Möglichkeiten es gibt, Ihre Arbeitsbelastung zu verringern.

Wenn Sie Ihre Doppelbelastung von sich aus ansprechen, sieht der Chef, dass Sie an einer Lösung des Problems interessiert sind. Er muss nicht befürchten, dass Ihre Arbeitsleistung unter der Doppelbelastung von Beruf und Pflege leidet.

  

Gar nicht leichtt: Zwischen der Pflegetätigkeit und dem Beruf jonglieren.

Auch Unternehmen sind gefordert

Unternehmen in der Pflicht

Auch wenn durch die Familienpflegezeit neue Rahmenbedingungen und Anreize für Unternehmen geschaffen wurden, sind die „Vorzeigeunternehmen“, die das Thema „Pflege und Beruf“ offen angehen, aktuell noch in der Minderheit.

Die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Pflege wird in der Wirtschaft erst nach und nach umgesetzt.

Ein Grund: Nur in einer offenen und sozialen Unternehmenskultur werden pflegende Beschäftigte überhaupt bereit sein, Wünsche zu äußern und entsprechende Maßnahmen in Anspruch zu nehmen.

Dabei gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, Karriere und Pflegetätigkeit möglichst reibungslos zu koordinieren.

  

Hierzu zählen beispielsweise:

  • Gleit- und Teilzeitmodelle

  • Heim- und Telearbeit

  • Arbeitszeitkonten

  • Sonderurlaube und Freistellungsmöglichkeiten

  • kompetente Ansprechpartner in den Unternehmen

  • Vorträge und Trainings für Führungskräfte

  • Seminare und Schulungen für pflegende Angehörige

  • Bereitstellung von Informationsmaterial

Je nach Größe des Unternehmens, in dem Sie beschäftigt sind, wenden Sie sich an die Personalabteilung bzw. den Betriebsrat Ihres Arbeitgebers. Dort können Sie mehr Informationen über Angebote und Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Pflege- und Berufstätigkeit bekommen.

Entlastungsangebote auf dem Vormarsch

Entschließen Sie sich, Ihren Angehörigen zu Hause zu pflegen, gibt es bereits jetzt gute, staatlich geförderte Angebote für Sie als pflegenden Angehörigen. Scheuen Sie sich nicht, diese zu nutzen. Gerade als Berufstätiger können Sie davon profitieren.
Weitere Informationen finden Sie unter "Entlastung für Pflegende".

Ersatz- bzw. Verhinderungspflege

Ist ein pflegender Angehöriger beruflich, krankheitsbedingt oder aus Urlaubsgründen eine Zeit lang verhindert, besteht Anspruch auf eine sogenannte Ersatz- oder Verhinderungspflege. Hierfür zahlt die Pflegekasse oder die private Pflegepflichtversicherung bis zu 1.510 Euro für maximal vier Wochen im Jahr – in der Regel jedoch nur dann, wenn bereits mindestens sechs Monate in der häuslichen Umgebung gepflegt wurde.

Wichtige Hinweise:

  • Wird die Pflege von anderen Angehörigen übernommen, wird das Pflegegeld weitergezahlt. Zusätzlich können diese z. B. Fahrkostenersatz oder Verdienstausfall geltend machen.
  • Übernimmt ein Pflegedienst die Ersatzpflege, werden dessen Kosten bis zum Höchstsatz von 1.510 Euro übernommen.
  • Es besteht auch die Möglichkeit, eine Kurzzeitpflegeeinrichtung zu nutzen. Hier werden Pflegebedürftige über eine begrenzte Zeit stationär betreut. Die Adressen erfahren Sie bei den örtlichen Pflegeberatungsstellen.
  • Der Anspruch auf Ersatz- und Kurzzeitpflege entsteht jedes Kalenderjahr wieder neu. Beide Pflegeformen können auch nebeneinander innerhalb eines Kalenderjahres genutzt werden.

Betreuung und Pflege auf Zeit

Teilstationäre Tages- oder Nachtpflege

Eine weitere Möglichkeit der Entlastung bietet die teilstationäre Tages- oder Nachtpflege. Hier werden ältere Menschen tagsüber oder nachts gepflegt und betreut, die übrige Zeit verbringen sie zu Hause. Diese Form der außerhäuslichen Pflege ist vor allem sinnvoll, wenn pflegende Angehörige berufstätig sind.

Entsprechende Einrichtungen werden von Wohlfahrtsverbänden sowie kommunalen und privaten Trägern betrieben. Während es zahlreiche Tagespflegeeinrichtungen gibt, ist die Nachtpflege noch nicht weit verbreitet.
 

Betreuung und Pflege auf Zeit, durch teilstationäre Einrichtungen.

Renten- und Unfallversicherung

Wer einen Menschen maximal 30 Stunden in der Woche pflegt, gilt als erwerbstätig und wird in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert. Die Beiträge übernimmt dann die Pflegeversicherung.

Als Pflegeperson gilt jeder, der einen pflegebedürftigen Menschen nicht erwerbsmäßig mindestens 14 Stunden in der Woche in seiner häuslichen Umgebung pflegt.

Der Antrag auf soziale Absicherung muss spätestens einen Monat nach Beginn der Pflegetätigkeit bei der Pflegekasse des Gepflegten gestellt werden. Diese meldet die Pflegeperson dann bei der Rentenversicherung an und zahlt die Beiträge. Wie hoch diese sind, richtet sich nach der Schwere der Pflegebedürftigkeit und dem Zeitaufwand für die Betreuung.

Gleichzeitig stehen pflegende Angehörige unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Sie greift bei allen Unfällen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Pflegetätigkeit zu Hause oder unterwegs passieren.

Regelungen bei Arbeitslosigkeit

  • Pflegegrad 1 & 2 ist relativ unproblematisch. Das Pflegegeld ist nicht so hoch, dass es sich auf die Zahlung des Arbeitslosengeldes auswirken würde. Bedingung ist dennoch das Einverständnis des Arbeitsamtes, da arbeitslos Gemeldete dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen müssen.
  • Pflegegrad 3 & 4 bedeutet, dass die Pflegeaufgaben von einem Pflegedienst oder Dritten übernommen werden müssen, sobald ein Arbeitsuchender ein Jobangebot erhält. Probleme bereitet außerdem die Höhe des Pflegegeldes. Dieses wird je nach Höhe auf das Arbeitsgeld angerechnet. Ist das der Fall, müssen Arbeitslose unter Umständen mit Kürzungen ihrer Leistungen rechnen.
  • Pflegegrad 5 (Härtefall) ist mit einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung gleichzusetzen. Hier ist praktisch keine Arbeitsmarktvermittlung mehr möglich. Gibt eine Pflegeperson die Pflegetätigkeit aber wieder auf, um ins Erwerbsleben zurückzukehren, besteht prinzipiell ein Anspruch auf Arbeitslosengeld – jedoch nur dann, wenn vor Beginn der Pflegetätigkeit Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt wurden.

Hinweise: Pflegegeld darf aus ALG II angerechnet werden, wenn zum Beispiel Pflegekinder gepflegt werden. In diesem Fall sei das Pflegegeld als „Erziehungshonorar" anzusehen und damit anrechnungsfähig.

Weitere Themen

Erste Schritte

Was würden Sie machen, wenn ein Familienangehöriger plötzlich zum Pflegefall wird?

Sterbebegleitung durch Angehörige

Die Konfrontation mit dem Tod ist eine große Herausforderung.

Pflegegrade

Der individuelle Pflegebedarf entscheidet über die Einstufung.

Zusätzliche Leistungen

Weitere Leistungen wie das Betreuungsgeld erleichtern Ihnen die Pflege.

Besuchs- und Betreuungsdienste

Neben der eigentlichen Pflege sind soziale und mentale Fürsorge unverzichtbar.

Geriatrische Tageskliniken

Diese spezialisierten Tageskliniken ermöglichen eine gezielte medizinische Versorgung.

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