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Entlastung für Pflegende

Was machen pflegende Angehörige, wenn sie Vertretung brauchen? Und wer bezahlt das? Hier hilft die sogenannte Ersatz- und Verhinderungspflege.

Angehörige Pflegende müssen Entlastung haben

Nicht erst warten, bis nichts mehr geht

Viele pflegende Angehörige machen denselben Fehler: Sie muten sich bei der Pflege zu viel zu und warten zu lange, bis sie sich eine Auszeit gönnen – sofern sie sich die eigene Überlastung überhaupt eingestehen.

Die Folge: Fast 60 Prozent der in Vollzeit erwerbstätigen Pflegenden leiden laut einer aktuellen Studie der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) unter Erschöpfungszuständen. Muskelverspannungen, depressive Symptome und Schlafstörungen sind weitere häufig auftretende Krankheitsbilder von Pflegenden.

Je älter, desto schwieriger

Die Entlastung von Angehörigen in der Pflege scheitert häufig daran, dass pflegende Angehörige – entsprechend den Pflegebedürftigen – immer älter werden. Das Durchschnittsalter liegt mittlerweile je nach Verwandtschaftsgrad zwischen Mitte 50 und Mitte bis Ende 70.

Viele kennen das PNG noch nicht

Die Folge: Je älter Pflegende und Gepflegte werden, desto intensiver und anstrengender wird in der Regel die Pflege. Pflegebedürftige benötigen mehr Zuwendung, Pflegende sind weniger leistungsfähig und stressresistent. Nach Einschätzung der ZQP nehmen außerdem nur wenige die Entlastungsmöglichkeiten durch das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz wahr, weil Betroffene noch nicht gut genug informiert sind.

Auch mal an sich denken

Bei aller Sorge um den Pflegebedürftigen sollten Sie als Pflegender auch mal an sich denken. Gönnen Sie sich Momente der Erholung nicht erst, wenn Sie bereits völlig erschöpft sind, sondern holen Sie sich rechtzeitig Unterstützung. Versuchen Sie überdies z. B. mit Sport, Meditations- und Entspannungskursen einen Ausgleich zum Pflegealltag zu schaffen.

Fühlen Sie sich trotz Erholungsphasen überfordert oder am Rande Ihrer Leistungsfähigkeit, gibt es auch Hilfsangebote von außen. Wir haben für Sie im Folgenden Informationen und Hinweise aus der Praxis zusammengestellt:

Wichtige Hinweise

  • Wird die Pflege von anderen Angehörigen übernommen, wird das Pflegegeld weitergezahlt. Zusätzlich können diese z. B. Fahrkostenersatz oder Verdienstausfall geltend machen.
  • Übernimmt ein Pflegedienst die Ersatzpflege, werden dessen Kosten bis zum Höchstsatz von 1.510 Euro übernommen.
  • Es besteht auch die Möglichkeit, eine Kurzzeitpflegeeinrichtung zu nutzen. Hier werden Pflegebedürftige über eine begrenzte Zeit stationär betreut. Die Adressen erfahren Sie bei den örtlichen Pflegeberatungsstellen.
  • Der Anspruch auf Ersatz- und Kurzzeitpflege entsteht jedes Kalenderjahr wieder neu. Beide Pflegeformen können auch nebeneinander innerhalb eines Kalenderjahres genutzt werden.

Ersatz- bzw. Verhinderungspflege

Sind Sie als pflegender Angehöriger beruflich, krankheitsbedingt oder aus Urlaubsgründen eine Zeit lang verhindert, die Pflege selbst zu erbringen, besteht Anspruch auf eine sogenannte Ersatz- oder Verhinderungspflege.

Hierfür zahlt die Pflegekasse oder private Pflegepflichtversicherung bis zu 1.510 Euro für maximal vier Wochen im Jahr – in der Regel jedoch nur dann, wenn bereits mindestens sechs Monate in der häuslichen Umgebung gepflegt wurde.

Teilstationäre Tages- oder Nachtpflege

Eine weitere Möglichkeit der Entlastung bietet die teilstationäre Tages- oder Nachtpflege. Hier werden ältere Menschen tagsüber oder nachts gepflegt und betreut, die übrige Zeit verbringen sie zu Hause. Diese Form der außerhäuslichen Pflege ist vor allem sinnvoll, wenn pflegende Angehörige berufstätig sind.

Entsprechende Einrichtungen werden von Wohlfahrtsverbänden sowie kommunalen und privaten Trägern betrieben. Während es zahlreiche Tagespflegeeinrichtungen gibt, ist die Nachtpflege noch nicht weit verbreitet.

Schon gesehen?

In der dritten Folge des PflegeTIPP von AXA dreht sich alles um den Pflegenden selbst und darum, wie er für Entlastung im Pflegealltag sorgen kann: Erfahren Sie mehr über praktische Tipps und einfache Übungen, mit denen Sie die Pflege positiv bewältigen.

Gesetzliche Grundlagen

Renten- und Unfallversicherung

Wer einen anderen Menschen pflegt und maximal 30 Stunden in der Woche erwerbstätig ist, wird in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert. Die Beiträge übernimmt dann die Pflegeversicherung.

Als Pflegeperson gilt jeder, der einen pflegebedürftigen Menschen nicht erwerbsmäßig mindestens 14 Stunden in der Woche in seiner häuslichen Umgebung pflegt.

Rechtzeitig bei der Pflegekasse melden

Der Antrag auf soziale Absicherung muss spätestens einen Monat nach Beginn der Pflegetätigkeit bei der Pflegekasse des Gepflegten gestellt werden. Diese meldet die Pflegeperson dann bei der Rentenversicherung an und zahlt die Beiträge. Wie hoch diese sind, richtet sich nach der Schwere der Pflegebedürftigkeit und der Selbstständigkeit des Betroffenen. Sie greift bei allen Unfällen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Pflegetätigkeit zu Hause oder unterwegs passieren.

Regelungen bei Arbeitslosigkeit

Es ist nicht selten der Fall, dass arbeitslos gemeldete Personen Angehörige pflegen. Bevor dies geschieht, sollte mit dem Arbeitsamt Kontakt aufgenommen werden. Dabei hängt viel von dem jeweiligen Pflegegrad ab.

Eine Belastung kann nicht nur für Angehörige schwierig sein, sondern auch die Beziehung zur Pflegeperson erschweren.

Teilzeitrechner

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Die Pflegeleistungen richten sich nach der Pflegeform und Ihrem Pflegegrad.

Haushaltshilfen

Hauswirtschaftliche Dienste erleichtern Pflegebedürftigen den Alltag.

Geriatrische Tageskliniken

Diese spezialisierten Tageskliniken ermöglichen eine gezielte medizinische Versorgung.

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