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Selbstständiges Leben ermöglichen

Pflege bedeutet auch, dem Betroffenen eine selbstverantwortliche und eigenständige Lebensführung zu ermöglichen.

Selbstständige Lebensführung auch im Pflegefall

Rechte und Pflichten für Pflegebedürftige

Schon in der Charta der Rechte hilfe- und pflegebedürftiger Menschen heißt es: „Jeder Mensch hat uneingeschränkten Anspruch auf Respektierung seiner Würde und Einzigartigkeit. Menschen, die Hilfe und Pflege benötigen, haben die gleichen Rechte wie alle anderen Menschen und dürfen in ihrer besonderen Lebenssituation in keiner Weise benachteiligt werden.“

Gerade weil Pflegebedürftige sich für ihre Rechte oftmals nicht mehr selbst einsetzen können, tragen Staat und Gesellschaft eine besondere Verantwortung. Seiner Sorgfaltspflicht gegenüber Pflegebedürftigen, pflegenden Angehörigen und Pflegeeinrichtungen kommt der Gesetzgeber schon jetzt nach.

Seit rund 20 Jahren hat es sich z. B. die Pflegeversicherung zum Ziel gesetzt, nicht nur eine bloße Versorgung des Pflegebedürftigen zu gewährleisten. Vielmehr soll eine selbstständige Lebensführung auch im Pflegefall ermöglicht werden – und dafür wird der Pflegebedürftige auch selbst in die Pflicht genommen.

  

Mit der gesetzlichen Pflegeversicherung sollen die vorhandenen Selbstversorgungsfähigkeiten erhalten, jene die verlorengegangen sind, reaktiviert werden. Eine Verbesserung der Kommunikation im Rahmen der Leistungserbringung steht ebenso im Fokus wie die Gewichtung der häuslichen Pflege. Sie hat laut Gesetzgeber (SGB XI § 3) Vorrang vor der stationären Pflege.

Es gilt:

  • "Reha vor Pflege". Ist die Pflegebedürftigkeit durch Unfall oder Erkrankung entstanden, wird geprüft, ob die Selbstständigkeit durch Reha-Maßnahmen wiedererlangt oder verbessert werden kann.
  • "Ambulant vor stationär". Die häusliche Pflege hat Vorrang vor der stationären Versorgung in einem Pflegeheim.

Reform soll mehr Gerechtigkeit bringen

Durch die Reform der Pflegeversicherung sollen Hilfebedürftige intensiver unterstützt werden, die Probleme mit der Wahrnehmung oder psychischen Störungen haben. So wurden gerade Demenzkranke nach der bisherigen Pflegeversicherung nach ihren körperlichen Gebrechen einem Pflegegrad zugeteilt.

Da Demenzkranke jedoch oftmals körperlich fit sind und vielmehr eine intensive Betreuung bei Dingen des Alltags – wie das Waschen nicht zu vergessen – benötigen, sind viele durch das Pflegegrade-Raster gefallen. Nach Schätzungen beziehen derzeit bis zu 250.000 Demenzkranke, denen Leistungen aus der Pflegeversicherung zustünden, keine Hilfe.

Pflegende Angehörige müssen laut Begriffsdefinition nicht unbedingt Familienmitglieder sein. Auch Freunde und Bekannte, engagierte Nachbarn oder ehrenamtliche Helfer können pflegende Angehörige sein.

Das können Sie von der Pflegeversicherung erwarten

Neuerungen der Pflegeversicherung

  • Statt drei Pflegestufen soll es fünf Pflegegrade geben
  • Während sich eine Pflegestufe aus der Summe pauschaler „Zeitorientierungswerte“ (vollständiges Waschen 20 bis 25 Minuten, Ankleiden acht bis zehn Minuten, usw.) errechnet hat, sollen Pflegegrade die Beeinträchtigung der Selbstständigkeit im täglichen Leben (Selbstversorgung, Mobilität, geistige Fähigkeiten, Gestaltung des Alltags, soziale Kontakte und Haushaltsführung) beurteilen
  • Menschen mit kognitiven oder psychischen Problemen werden gerechter beurteilt, erhalten mehr Hilfe als bisher
  • Erstmals soll nicht nur die Pflege, sondern auch die Betreuung von Hilfebedürftigen Bestandteil der Pflegeversicherung sein

Das vom Pflegebeirat der Bundesregierung entwickelte Fünf-Pflegegrade-Modell befindet sich derzeit in der Erprobungsphase. Es ist bereits gesetzlich verankert und wird 2017 umgesetzt.

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