Schließen
> Pflegewissen > Wundmanagement > Wundversorgung

Wundversorgung

Hygiene spielt bei der Versorgung von offenen Hautpartien und Wunden eine übergeordnete Rolle. Wir verraten Ihnen, wie Sie die Wundheilung fördern können.

Wunden richtig behandeln

Wundheilung unterstützen, Infektionen vermeiden

Die bestmögliche Wundtherapie setzt ein Maximum an Hygiene und effektiver sowie angepasster Wundversorgung voraus und dient letztlich zwei Zielen: einerseits soll durch passende Materialien und Stoffe die Wundheilung bestmöglich unterstützt werden, andererseits soll eine Infektion der Wunde verhindert werden.

Während es für ersteres in manchen Fällen notwendig ist, dass Sekrete und andere Flüssigkeiten die Wunde ungehindert verlassen können, ist es für den hygienischen Schutz der Wunde wünschenswert, sie möglichst undurchlässig für äußere Substanzen und Mikroorganismen abzudecken. Der Versuch, diesen beiden gegensätzlichen Anforderungen gleichermaßen gerecht zu werden, hat zu einer großen Bandbreite an modernen und auf verschiedene Wundarten und Anwendungen spezialisierten Wundauflagen und -abdeckungen sowie Therapeutika geführt.

Die Wundversorgung hängt von den Wundeigenschaften ab: sowohl von ihrem Heilungsstadium, von ihrer Größe und Tiefe, als auch davon, ob sie trocken ist, Flüssigkeit (Exsudat) absondert oder ob eine Infektion vorliegt.

  

Versorgen Sie jede Wunde ihrer Verletzung entsprechend.

Hilfreiche Produkte

Bei allen sauberen und nicht infizierten Wunden ist eine Reinigung und Spülung der Wunde mit entsprechenden Lösungen möglich. Die hierfür geeigneten Flüssigkeiten (z.B. Ringerlösung) ähneln in ihrer Elektrolytzusammensetzung der des Körpers und gewähren so gute Verträglichkeit auf zellulärer Ebene. Bei drohenden oder bereits eingetretenen Entzündungen können Wunden zusätzlich mit antiseptischen, also gegen Mikroorganismen wirkenden, Lösungen behandelt werden.

Um der Wunde ein möglichst heilungsförderndes Milieu zu bieten, werden größere Wunden abgedeckt. Moderne Wundauflagen und Wundfüller ermöglichen eine Regulation von Feuchtigkeit, Temperatur und pH-Wert in der unmittelbaren Umgebung der Wunde, um eine raschere Wundheilung zu erreichen. Im Idealfall sind sie gleichzeitig dazu in der Lage, aus der Wunde austretende Flüssigkeiten und Eiter aufzunehmen und sicher einzuschließen.

Spezielle Oberflächen ermöglichen es manchen Produkten, einerseits ein Eindringen von Feuchtigkeit von außen unter die Wundabdeckung zu verhindern und andererseits eine übermäßige Flüssigkeitsansammlung in der Wunde zu vermeiden. Eine weitere Methode, um Wundsekret aus der Wunde zu entfernen, ist die Anwendung von Unterdrucksystemen. Hierbei wird durch eine Pumpe ein Sog erzeugt, um das Wundsekret aus der Wunde abzuleiten und dadurch ein Milieu zu erzeugen, das die Wundheilung fördert.

  

Neben ihrer Fähigkeit zur Feuchtigkeitsregulation besitzen manche Produkte zudem antimikrobielle Wirkung, so z.B. Antibiotika-Ketten oder -Schwämme, welche direkt in die Wunde eingebracht werden können. Auch Silberionen können die Keimvermehrung verhindern und zudem bereits vorhandene Bakterien abtöten. Sie werden daher vor allem bei bereits infizierten oder infektionsgefährdeten Wunden angewendet.

Hilfreich für ein optimales Wundklima ist zudem der Einsatz von sogenannten Hydrogelen. Diese Gele sind einerseits in der Lage, Flüssigkeit aufzunehmen, aber auch trockene Wunden anzufeuchten. Zusätzlich bieten sie den an der Wundorganisation beteiligten Enzymen ein ideales „Arbeitsklima“.

Wichtig bei jeglicher Form von Wundabdeckung ist es, ein Verkleben der Wunde mit der Wundauflage zu vermeiden. Gerade bei großflächigeren Wunden, welche mit den bisher beschriebenen Wundauflagen nur schwer abgedeckt werden können, stellt dies bisweilen ein Problem dar. Häufige Anwendung finden in diesen Fällen Produkte wie Fettgaze oder mit Silikon beschichtete Netze, welche im Anschluss durch einen normalen Verband oder eine andere Auflage abgedeckt werden.

Zahlreiche vermeintlich bewährte „Hausmittelchen“ sind inzwischen obsolet, von ihrer Anwendung im Bereich der Wundbehandlung wird abgeraten. Zwar weisen einige Produkte, wie beispielsweise Honig, in der Tat positive Eigenschaften bezüglich der Heilungsförderung auf, sind aber auf Grund ihres eigentlichen Bestimmungszweckes als Lebensmittel und aus anwendungspraktischen Gründen nicht zu empfehlen – oder in anderen Fällen schlichtweg schädlich für die Wunde. Ausnahmen stellen zu Medizinprodukten verarbeitete Honigprodukte dar.

Grundregeln zur Wundversorgung

Trotz der Vielfalt an Produkten und Kombinationsmöglichkeiten einzelner Wundpflege-Produkte gibt es ein paar Grundregeln, welche bei der Versorgung gerade von chronischen oder großen Wunden zu berücksichtigen sind:

  • Polypragmasie, also das abwechselnde Ausprobieren verschiedener Behandlungsformen, sollte vermieden werden
  • Verbandswechsel sollten je nach Bedarf und möglichst atraumatisch durchgeführt werden; falls nötig, sollte im Vorfeld eine angemessene Schmerzmedikation erfolgen
  • eine möglichst genaue Wunddokumentation sollte seitens der Pflegenden durchgeführt werden, um den Heilungsprozess besser beurteilen zu können.

Bei Infektionen schnell handeln

Leider bleiben trotz der zahlreichen modernen Produkte zur Wundversorgung Infektionen und größere Defekte bei manchen Wunden nicht aus. Gerade Wunden wie Dekubiti im Steißbereich neigen aufgrund ihrer Lokalisation in der Nähe des Anus zu Infektionen. Zudem erstrecken sich Druckgeschwüre in manchen Fällen viel weiter in die Tiefe als erwartet, da Muskulatur und Fettgewebe empfindlicher auf die auslösenden Druck- und Scherkräfte reagieren als die Haut.

In fortgeschrittenen Stadien ist daher bei manchen Dekubiti eine chirurgische Behandlung nicht zu umgehen. Im Rahmen einer Operation wird dann versucht, den entzündeten und untergegangenen Teil des Gewebes zu entfernen und ggf. eine plastische Deckung mit Hauttransplantaten und/oder Muskelschwenklappen zu erreichen.

  

Auch beim diabetischen Fußsyndrom besteht die Gefahr, Gewebe entfernen oder schlimmstenfalls die ganze Extremität amputieren zu müssen - ein Schicksal, das leider immer noch zu viele Diabetiker erleiden.

Gerade aber durch die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden und manchen Paradigmenwechseln ist es mittlerweile möglich, einen Großteil der chronischen Wunden angemessen zu versorgen. Dennoch erfordert eine erfolgreiche Behandlung nach wie vor die aktive Mitarbeit der Patienten und nicht zuletzt deren Bereitschaft, durch eine Umstellung der Lebensweise möglichst viele Risikofaktoren zu eliminieren.

Weitere Themen

Wundprophylaxe & -pflege

Die Haut heilt sich oft selbst. Wie kann ich vermeiden, dass Wunden überhaupt entstehen?

Der Aufbau der Haut

Unsere Haut besteht aus mehreren Schichten und übernimmt ganz verschiedene Funktionen.

Die chronische Wunde

Ein offenes Bein und andere chronische Wunden verheilen oft kaum oder nur langsam.

Empfehlen:

© AXA Konzern AG, Köln. Alle Rechte vorbehalten.